• Titel
  • Titel Odyssee

    eine Odyssee beginnt ...

  • Titel Ruinen

    Umgeben von überfluteten Straßen,
    entwurzelten Bäumen
    und zerfallenen Häusern...

  • Titel Kompass

    ... begeben sie sich
    auf die Suche
    nach einem Weg zurück ...

  • Titel Wetter

    und müssen erkennen,
    dass die Welt,
    wie sie sie kannten,
    nicht mehr existiert.

  • Markiert T6
  • Titel
  • Markiert T2
  • Markiert T3
  • Markiert T4
  • Markiert T5

Veröffentlichungen

Rift

Riftland-Saga
Band 1

Fox

Riftland-Saga
Band 2

Der Ritter von Istar

Riftland-Saga
Band 3

Markiert

Riftland-Saga
Band 4

  • Titel


    Band 2
    der Riftland-Saga

  • Titel Markierung

    Seltsame Markierungen

  • Titel Carrier

    ein havarierter Flugzeugträger

  • Titel Zeichnung

    eine rätselhafte Zeichung

  • Titel Schlüssel

    Sind sie der Schlüssel
    zu den geheimnisvollen
    Mountmarkern?

  • Titel Band2


    die Fortsetzung
    der Riftland-Saga

  • Titel Markierung
  • Titel Carrier
  • Titel Zeichnung
  • Titel Schlüssel
  • Titel

    Mit dem nächsten Buch beginnt ein neues Projekt.

  • Titel Markierung

    Ich nenne es:

    Ceres

    (Das wird nicht der Buchtitel sein)
  • Titel Carrier

    So viel sein verraten:

    • Es spielt in einer fiktiven Welt.
    • Die Menschen leben auf verschiedenen, voneinander getrennten  Kontinenten.
    • Gesellschaft, Wirtschaft, Kommunikation, Transport und Soziales werden teilweise neu definiert.
       
    • Trotzdem gibt es Probleme in dieser fast perfekten Welt,
      die die Helden der Geschichte herausfordern und zu lösen versuchen.

  • Titel Zeichnung

    Die Geschichte steckt noch in den Anfängen
    und erfordert eine Menge Recherche,
    die ich mir von einigen Experten erhoffe.

  • Titel Schlüssel

    Aber keine Angst:

    Auch in Riftland geht es weiter! 


     

     

    Bild: Stefan Keller @ Pixabay

Willkommen auf meiner Webseite

HaukeSchrills

Ihr wisst es wahrscheinlich schon, ich bin Hauke Schrills und schreibe seit kurzem Romane. Hier erfahrt ihr etwas mehr über mich und meine Bücher sowie aktuelle Neuigkeiten.

1958 geboren, lebe ich im Rheinland zwischen Köln und Düsseldorf. Ich liebe Bücher und habe als Fan der Science-Fiction- und Fantasy-Welt von Jugend an unzählige Bücher dieser Literaturgattung gelesen. Die Idee, einen eigenen Roman zu verfassen, ist mir nie in den Sinn gekommen. Eher ungeplant habe ich im Frühjahr 2019 begonnen meinen ersten Roman zu schreiben.

      Diese fiktive Geschichte nieder zuschreiben, war eine neue und spannende Erfahrung für mich. Jede freie Minute habe ich damit verbracht, meine Gedanken zu Papier zu bringen. Ich hoffe, dass ihr ebenso viel Freude habt es zu lesen, wie ich es zu schreiben.





  • Bücher

Bücher

  • R.I.F.T.
    dystopischer Roman

    Umgeben von überfluteten Straßen, entwurzelten Bäumen und zerfallenen Häusern, wacht GS ohne Erinnerung in einem fremden Land auf. Bis auf den zwölfjährigen Ben scheinen alle Menschen verschwunden. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach Überlebenden und einem Weg zurück in die weit entfernte Heimat von GS. Während ihrer Reise erkennen sie, dass die Welt, wie sie sie kannten, nicht mehr existiert. Ruinen der Zivilisation, endlose Wasserflächen und apokalyptische Mondlandschaften begleiten sie.

    328 Seiten

    Paperback oder E-Book:
    ISBN: 978-3-749-48674-8
    Hardcover:
    ISBAN: 978-3-7460-4841-3

  • Leseprobe
    27. März

    Kopfschmerzen. Stechen im Bein. Alles tut mir weh. Müdigkeit. Ich versuche, die Augen zu öffnen. Grelles Licht blendet mich. Was ist passiert? Ich liege am Straßenrand. Um mich herum Steine und Bretter. Wo bin ich? Meine Augen gewöhnen sich nur langsam an das Licht.
    Ich will mich aufrichten. Ein stechender Schmerz fährt mir ins Bein. Mein rechtes Hosenbein ist aufgerissen und mit Blut getränkt. Es ist nur eine kleine Wunde am Schienbein. Mein Knöchel schmerzt. Scheint nicht gebrochen zu sein. Zumindest kann ich ihn bewegen. Meine Klei- dung fühlt sich klamm an. Verschmutzt.
    Mühsam richte ich mich auf. Mein Kreuz schmerzt ebenfalls. Aber das kenne ich schon. Mit fünfundfünfzig ist Mann nicht mehr so gelen- kig. Überall um mich herrscht Zerstörung. Ich bemerke Wasserflächen. Gab es eine Überschwemmung? Neben mir zusammengefallene Häuser. Ich habe Glück, nicht erschlagen worden zu sein.
    Wo bin ich? Ich will mich erinnern. Vergeblich. Mir fällt es nicht ein, habe ein Blackout. Ich konzentriere mich erneut. Doch es ist zweck- los. Die letzte Erinnerung ist ein heftiges Zerren. Darauf folgt Schwär- ze, Bewusstlosigkeit. Ich weiß nicht, wie lange ich hier schon liege. Die schmutzige Kleidung wird durch Abklopfen nicht besser. Ich drehe mich humpelnd um die eigene Achse. Überall sind Häuser zusammengefallen. Zwei Fahrzeuge liegen verbeult auf der Seite. Und, sind das Kabel über den Häusern? Hochspannungsleitungen? Ich sehe sie nur verschwommen. Irgendetwas stimmt mit meinen Augen nicht. Ich reibe mit den Fingern darüber. Eine Erinnerung blitzt in meinem Kopf auf. Ich bin Brillenträger. Schaue mich um – finde nichts, das wie eine Brille aussieht. Immerhin kann ich ohne sie einigermaßen sehen, nur Details verschwimmen. Schriften ebenfalls.
    Benommen spüre ich die Wärme der Sonne, obwohl sie niedrig am Himmel steht. Fast wie im Urlaub im Süden. Urlaub? Wo komme ich her? Aus Deutschland? Wo bin ich jetzt? Auf keinen Fall in Deutschland. Da bin ich mir sicher. Die Pflanzen und Bäume sehen fremd aus.
    Im Schatten eines zusammengefallenen Gebäudes bemerke ich eine Bewegung. Ich fokussiere meinen Blick. Auf einer Treppe neben einem zerfallenen Haus sitzt ein verängstigter Junge mit dunkler Hautfarbe. Seine Hose und sein T-Shirt sehen nicht besser aus als meine Kleidung. Ich schätze ihn auf 12 Jahre. Er blickt mich mit großen Augen an, weiß wohl nicht, was er von mir halten soll.
    Ich gehe einen Schritt auf ihn zu, da meldet sich mein Fuß. Fast wäre ich gestolpert. Mit schmerzverzerrtem Gesicht schaue ich zu dem Jungen.
    „Wie geht es dir? Bist du okay?“, rufe ich ihm zu. Sein Gesicht drückt Unverständnis aus.
    „uodajutokin?“, ruft er zurück.
    Ich kann mit der Antwort nichts anfangen. Welche Sprache spricht er? Langsam wiederhole ich die Worte im Geiste. „uodajutokin“ - es dämmert mir. „what are you talking“, das ist Englisch, genauer amerikanisches Englisch. Ich bin in Amerika. Darum kann er mich nicht verstehen.
    „Are you fine?“, frage ich auf Englisch.
    Sein Gesicht hellt sich auf. „I‘m fine, and you?“
    Humpelnd bewege ich mich auf ihn zu. Ich winke ab. Er richtet sich schüchtern lächelnd auf. Anscheinend ist er unverletzt.
    „Du bist verletzt“, stellt er fest.
    „Nicht sehr, es geht.“ Mein Englisch ist nur mangelhaft. Für grundlegende Konversation reicht es. Meistens fehlen mir die Vokabeln. Verstehen geht wesentlich besser.
    Er runzelt die Stirn. Meine Antwort war wohl nicht perfekt.
    „Where are you from?“, will er wissen.
    „Ich komme aus Deutschland.“ Pause.
    „Wie heißt du?“, frage ich ihn.
    „Ben. Und du?“
    Ich erinnere mich an meinem Namen und daran, dass er für Amerikaner unaussprechlich ist.
    „Nenn mich GS, mein Name ist zu kompliziert.“ Ich fand diese Abkürzungen in alten Filmen schon immer cool. AJ, JR. Warum nicht.
    „Nur GS? Gut“, antwortet er.
    Der Junge sieht mitgenommen aus. Sein kurzes, schwarzes Haar ist von hellem Staub bedeckt. Ebenso das Gesicht und die Augenbrauen. Das rote T-Shirt ist an der Schulter aufgerissen.
    „Was ist mit deinen Eltern?“, frag ich ihn.
    „Ich weiß nicht, weg.“
    „Lebst du hier? Hast du hier gewohnt?“
    Er nickt und zeigt auf das Haus, auf dessen Treppe er sitzt. Sie führt an der rechten Außenseite des Hauses ins Nichts. Von der oberen Etage stehen nur noch eine Giebelwand und ein Teil einer Seitenwand. Man kann hineinschauen. Wenn sich dort einmal Möbel befunden haben, ist von ihnen nichts übrig geblieben. Der Schock sitzt Ben sichtlich in den Knochen.
    „Weißt du, was passiert ist?“ Er schüttelt den Kopf.
    „Gibt es hier – äh …“ Ich suche nach dem englischen Wort für Überlebende. „Andere Menschen. Lebende Menschen?“
    „Etwas hat an mir gezerrt, mich geschlagen. Dann bin ich neben der Treppe aufgewacht. Keine Ahnung, was los war.“
    Nirgends sind Leichen zu sehen. Aber auch keine Überlebenden. Neben uns steht ein graugrünes Haus. Windschief, als wenn ein Riese es in die Hand genommen, es einmal kräftig geschüttelt und zu Boden geworfen hätte. Die gesamte Einrichtung quillt aus der Frontseite.
    Rechts von uns liegt quer über der Straße ein entwurzelter Baum. Ein Rauschen lenkt mich ab. Vor uns ist der Asphalt weggerutscht. Wasser aus einem gebrochenen, unterirdischen Rohr spült die Erde immer weiter aus. Dahinter ist alles überschwemmt. Entlang der Straße jenseits der Bruchkante steht das Wasser fast einen Meter in den Häusern. Auf der rechten Seite führt eine weitere Straße nach – Süden – Westen – Osten? Ich habe gar keine Orientierung mehr. Ich schaue auf meine Uhr. Es ist noch früh. Die Sonne steht über meiner rechten Schulter, wenn ich in die Richtung der Straße schaue. Demnach ist dort Norden.
    Die Straße ist unbeschädigt. In einer großen Pfütze liegt ein umgefallener Strommast mit gerissenen Kabeln. Weitere folgen der Straße, neigen sich aber weniger zum Boden. Elektrizität wird durch diese Leitungen nicht mehr fließen. Im weiteren Verlauf sehe ich links einige Palmen, rechts Gras und niedriges Gestrüpp. Es geht leicht bergauf. Da- hinter ist nichts zu erkennen. Gerade so, als würde die Welt dort enden.
    „Weißt du, wohin diese Straße führt?“, frage ich Ben.
    Er zuckt mit den Schultern. „Zum Highway.“ Er schaut in die Rich- tung. „Normalerweise stehen da Häuser. Aber die sind weg.“ Er atmet tief ein. „Alles ist weg.“ Ich blicke zu ihm und verstehe nicht, was er damit meint. „Alles weg“, wiederholt er und fängt an zu weinen. Er ist verzweifelt. Ich möchte ihn trösten, doch er weicht zurück und richtet sich auf. „It’s okay.“ Er wischt sich die Tränen aus dem Gesicht und verwischt den Staub.
    „Hast du eine Idee, wohin wir gehen können?“
    Er schüttelt den Kopf. „Vielleicht dort.“ Er zeigt in Richtung des umgestürzten Baumes.
    Ich drehe mich um. Was machen wir jetzt? Wahrscheinlich müssen wir hier erst einmal übernachten. Längere Zeit bleiben und warten ergibt jedoch keinen Sinn. Mir fällt immer noch nicht ein, wie ich hierhin gekommen bin. Und wo ich genau bin.
    „Warte hier!“, sage ich zu Ben und suche nach etwas, worauf ich mich abstützen kann.
    Eine Dachlatte liegt in der Nähe. Ich hebe sie hoch, lege sie auf die Treppe, stütze mich ab und breche sie mit dem gesunden Fuß durch. Das muss als Krücke reichen. Ben schaut schweigend zu. „Warte hier!“, wiederhole ich.
    Er nickt. Wo soll er auch hin? Hier ist nichts und niemand.
    In sicherem Abstand zur Bruchkante gehe ich zur anderen Straßenseite, die unter Wasser steht. Die Häuser auf dieser Seite haben zumindest noch Wände und ein Dach. Ich begebe mich in Richtung des umgestürzten Baumes. Hier sieht es aus, wie nach einem Hurrikan.
    Als ich näher komme, erkenne ich, dass dort ein Auto unter der Baumkrone begraben liegt. Ich gehe darauf zu. Es ist ein schwarzer Chevrolet Pick-up. Das Dach ist über der hinteren Rückbank eingedrückt und das Glas der Seitenfenster zerbrochen. Die Windschutzscheibe ist unversehrt. Die Fahrertür steht auf. Aber dort komme ich nicht heran. Ein sperriger Ast liegt im Weg. Ich biege auf der Beifahrerseite einige Äste des Baumes zur Seite und kann in den Innenraum sehen. Bis auf die Glassplitter, Blätter und Äste, die überall im Innenraum verteilt liegen, scheint alles in Ordnung zu sein. Ohne Brille kann ich keine Details erkennen. Der Schlüssel fehlt offensichtlich. Die Ladefläche ist leer. Ich blicke nach hinten. Durch das Dickicht der Blätter kann ich von der Umgebung jenseits des Baumes kaum etwas sehen.
    Ich gehe wieder zu dem Haus zurück, wo Ben auf mich wartet. „Wir brauchen Schatten und müssen irgendwo unterkommen“, sage ich.
    Er nickt. Die umstehenden Häuser sind nicht zu gebrauchen. Zu gefährlich. Die Gebäude im Wasser ebenfalls nicht.
    „Hast du eine Idee, wo wir über Nacht bleiben können?“, frage ich Ben.
    Er versteht mein gebrochenes Englisch und zeigt wortlos in Richtung des umgestürzten Baumes.
    „Hinter dem Baum“, ist seine Antwort.
    „Kommst du mit?“, fordere ich ihn auf.
    Er steht auf und kommt zu mir. Gemeinsam gehen wir um den umgestürzten Baum herum. Ich benutze dabei meine provisorische Krücke. Wir waten durch das seichte Wasser. Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel.
    Bei der Hitze werden die Schuhe wieder schnell trocknen, denke ich mir. Die Straße führt uns nur wenige Meter weiter. Dahinter reicht ein Meer bis zum Horizont.
    Ben bleibt wie angewurzelt stehen und starrt auf das Wasser. Er fängt an zu zittern und stammelt etwas, während er auf das Meer zeigt. Ich verstehe ihn nicht, also knie ich mich vor ihm nieder.
    „Komm. Wir sind hier sicher“, beruhige ich ihn und zeige auf ein Haus in der Nähe. Es ist weniger beschädigt und aus Stein gemauert. Die Fenster und das Dach fehlen. Wir treten näher heran. Innen ist der ganze Boden hoch mit Sand bedeckt.
    „Das wird gehen“, sage ich zu dem Jungen.
    Er wirkt noch immer recht apathisch, folgt mir aber. Wir betreten das Haus und sehen uns um. Ich erkenne keine Risse in den Wänden – wie auch, ohne Brille. Von der Decke sind nur die Querbalken übrig. Wir gehen wieder vor die Tür.
    „Sieht stabil aus. Was meinst du?“
    Er nickt.
    „Hier können wir äh … bleiben.“ Ich wollte „vorübergehend“ sagen, aber mir fiel das englische Wort nicht ein.
    Er antwortet nur mit „okay“.
    Ben ist zwar immer noch sehr wortkarg, hat sich aber ein wenig beruhigt. Er ist vermutlich erleichtert, weil jemand für ihn die Initiative ergreift. Ich setze mich auf einen Stein, der vor dem Eingang aus dem Sand herausragt, und überlege, was wir alles benötigen. Am wichtigsten sind Wasser, Lebensmittel, Decken, Feuer und Werkzeug. Ich schaue von mir zu Ben. Kleidung wäre nicht schlecht. Wir sehen beide ziemlich heruntergekommen aus. Ein Bad könnten wir auch gebrauchen. Aber das wäre schon Luxus. Ich begutachte mein Bein. Die Wunde ist verkrustet, das Fußgelenk geschwollen, dennoch kann ich den Fuß mittlerweile besser belasten.
    „Als Erstes müssen wir Wasser besorgen“, sage ich. „Am besten in Flaschen. Vielleicht ist drüben in den Häusern etwas zu finden“, und zeige in Richtung des Baumes.
    Er schaut mich nur an.
    „Kannst du überall nachschauen?“
    „Wo?“, fragt er zurück.
    „Überall. Vielleicht findest du etwas in den Küchen. Aber sei bitte vorsichtig bei den zusammengefallenen Häusern.“
    „Sicher“, sagt er.
    „Wenn du Lebensmittel findest, wäre das auch gut. Ich suche nach Werkzeug und anderen brauchbaren Gegenständen.“
    Ich richte mich auf und gehe zu dem umgestürzten Baum zurück. Das Ende der Baumkrone liegt im Wasser. Dort befindet sich der Ein-gang zum Ersten der gefluteten Häuser. Sie sind in der typischen amerikanischen Leichtbauweise errichtet worden. Mit nassen Schuhen gehe ich weiter. Das Wasser reicht mir bis zu den Knien. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Hauses. Gegenüber sind die Reste einer Garage zu erkennen. Langsam wate ich durch den Eingang, die Tür existiert nicht mehr. Links führt eine Treppe nach oben, rechts ist eine Garderobe. Überall schwimmt Müll, Holz und Plastik. Ich gehe einige Schritte weiter und gelange in einen großen Raum. Das Wohnzimmer?
    An der gegenüberliegenden Wand fehlen drei raumhohe Fenster. Ich blicke direkt in das, was einmal der Garten war. Der Pool ist für mich nur schemenhaft zu sehen. Ich wende mich nach links. Dort führt eine Diele weiter in ein Schlafzimmer? Spielzeuge stehen auf den Regalen. Nein. Das ist das Kinderzimmer. Ich scheue zurück, habe Angst vor dem, was ich dort finden werde. Ich schaue nicht nach, sondern wende mich um. Gegenüber befindet sich ein weiteres Zimmer. Das ist das Eltern-Schlafzimmer. Ich betrete den Raum, drehe mich im Kreis und sehe eine weite- re Tür. Mühsam zerre ich sie auf. Dahinter liegt das Bad. Bis auf das eingedrungene Wasser sieht hier alles normal aus. Ich öffne den Spie- gelschrank an der Wand und finde Medikamente, Pflaster, Deodorant, verschiedene Cremes, Seife und Zahnpasta. Ich kann die Schrift auf den Packungen nicht lesen. Eine Brille wäre jetzt nicht schlecht. Vielleicht finde ich irgendwo eine.
    Eine große Plastikwanne liegt kopfüber im Wasser. Ich drehe sie um und lasse sie schwimmen. Dann fülle ich sie mit allem Brauchbaren. Anschließend verlasse ich den Raum. Im Schlafzimmer schaue ich mich noch einmal um. Im Kleiderschrank sind nur Frauenkleider. Nichts für uns. Ich versuche, eine Decke aus dem Wasser zu ziehen, lasse jedoch davon ab, da die Gefahr besteht, die eingesammelten Sachen in der Wanne zu verlieren.
    Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer überlege ich, was wir noch für unser Nachtlager benötigen. Ich mache einen Abstecher in die Kü- che. Die nassen Fundstücke müssen wir später trocken bekommen.
    Die Hängeschränke sind teilweise von der Wand gefallen und lie- gen verstreut auf den darunter stehenden Schränken. Ich suche weiter. Verschiedene Dosen und Verpackungen mit Lebensmittel. Ich kann nicht alles mitnehmen und beschließe, später zurückzukehren. Den großen Kühlschrank versuche ich erst gar nicht zu öffnen. Wenn er etwas Essbares enthält, würde das Meiste durch das einfließende Wasser unbrauchbar werden. Ich durchsuche die anderen Schränke und finde Messer, Gabeln, Löffel, Öffner und stecke einiges davon ein. Ein großes Survival-Messer könnte hilfreich sein. Langsam bewege ich mich auf den Ausgang zu und verlasse das Haus. Im Wasser ist die schwimmende Schüssel leichter.
    Auf dem Trockenen macht sich mein Fuß wieder bemerkbar. Ich bringe meine Beute in unsere Unterkunft. Ben ist noch nicht zurück. Ich will nach ihm schauen und stehe wieder vor dem umgestürzten Baum. Ich suche nach einer Möglichkeit ihn auf einem anderen Weg zu umge- hen, um nicht wieder nasse Füße zubekommen. Vergeblich. Der Baum wird zu einem Punkt auf meiner imaginären Todo-Liste.
    Ich finde verschiedene Gegenstände, Gallonen, Flaschen vor den einzelnen Häusern. Ben war offenbar erfolgreich bei seiner Suche. Da sehe ich, wie er mit einer Decke im Arm aus einem der baufälligen Häuser klettert.
    „Stopp!“, rufe ich entsetzt und laufe ihm wild gestikulieren entgegen. Erstaunt sieht er auf.
    „Bist du verrückt, allein in diese Häuser zu gehen?“, blaffe ich ihn heftiger an als beabsichtigt und bereue es sogleich.
    „Aber-“, stammelt er.
    „Du hättest begraben werden können!“, unterbreche ich ihn. Er blickt schuldbewusst auf den Boden.
    „Das ist gefährlich. Ich will nicht, dass dir etwas passiert.“ Ich schaue mir seine Ausbeute genauer an. „Wow. Toll, großartig“.
    Er lächelt verlegen.
    „Du bist der Beste!“, muntere ich ihn auf und lege ihm eine Hand auf die Schulter. Sein schüchternes Lächeln entblößt seine weißen Zähne. Bei diesem unschuldigen Anblick muss auch ich lächeln.
    „Das muss jetzt alles rüber“ bemerke ich nachdenklich. „Aber nur das, was nicht nass werden darf“.
    Hier ist schließlich niemand, der uns etwas wegnimmt, denke ich bei mir. Wir packen einige Sachen auf die große Decke und ziehen sie durch einen breiten Spalt unter dem Baum hindurch. Anschließend verstauen wir die Sachen im Haus. Nach der vierten Runde haben wir es geschafft.
    Die ganze Arbeit wäre aber sinnlos, wenn wir die Sachen nicht trocken lagern können. Das Dach fehlt, also kann es jederzeit hereinregnen. Die Balken sind zu hoch, um etwas darüber zu legen.
    Zuerst suche ich den höchsten Punkt im Raum. Der Sand ist in einer Ecke höher aufgeweht und lässt sich mit Hilfe von Brettern leicht zu einer glatten Fläche ausgleichen. Ich denke, wenn Wasser eindringt, wird es zuerst die flacheren Bereiche füllen. Ben schaut mir zu. Ich finde nicht die richtigen Worte, um ihm zu erklären, was ich vorhabe.
    Mit dem Ergebnis einigermaßen zufrieden, schaue ich mich im Nachbarraum um. Zwei herausgerissene Türblätter und einige Deckenpaneelen sind für mein Vorhaben ausreichend. Ich zeige auf die Paneele und Ben hilft mir, sie in den anderen Raum zu tragen. Die beiden Türblätter lehne ich schräg an eine Wand. Ich schaufele Sand dagegen, damit sie nicht wegrutschen. Mit einer Lage von überlappenden Brettern versuche ich, die Lücken zu überdecken. Ein bisschen wackelig, aber ich bin durchaus zufrieden.  

  • F.A.Q.
    Noch keine Fragen gestellt.
  • Quellen
    • Umschlaggestaltung : Volker Schrills
    • Lektorat : Rohlmann & Engels
    • Korrektorat : Mirjam Samira Volgmann
    • Vorlage Bilder:
    • Arek Socha auf Pixabay
    • Nelson Gonçalves auf Pixabay
    • Stefan Werner auf Pixabay
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  • Karten
    Karte Süden USA
  • F.O.X.
    dystopischer Roman

    Seltsame Markierungen
    ein havarierter Flugzeugträger
    eine rätselhafte Zeichnung

    Sind sie der Schlüssel zu den geheimnisvollen Mountmarker?

    Der verheerenden Katastrophe vor fünf Jahren sind neunzig Prozent der amerikanischen Bevölkerung zum Opfer gefallen. Korrupte Politiker und Militärs haben in den verbliebenen Staaten die Macht übernommen, aus deren Streitigkeiten sich Riftland bisher erfolgreich heraushalten konnte.
    In dieser Zeit wird Joe auf eine gefährliche Mission geschickt, um die Hintergründe über Big Dons Aktivitäten herauszufinden. Doch die Situation ändert sich, als eine fremde Macht an der Ostküste auftaucht und die Amerikaner zur Rechenschaft ziehen will:

    Der schwarze Fuchs


    356 Seiten

    E-Book
    Paperback:
    ISBN: 978-3-751-90416-2
    Hardcover:
    ISBN: 978-3-751-91700-1

  • Leseprobe
    Zu weit südlich

    Ich bin sauer. Stinksauer. Wie kann er mir das nur antun? Nach fünf Jahren fällt ihm plötzlich ein, dass er mich nicht liebt.
    Mit dem Ärmel wische ich mir die Tränen aus dem Gesicht, während ich nach draußen renne. Das wird er mir büßen. Ich schaue mich auf dem Vorfeld des Flughafens um. Ich weiß auch schon, wie ich ihm das heimzahle. Vor dem Hangar steht sein – nein unser – Flieger. Die JJ-19. Ein Segler mit Elektromotor.
    Ich steige ein und starte die Maschine. Soll er doch sehen, was er ohne sein geliebtes Flugzeug macht. Ich checke die Kontrollen und rolle gleich darauf zur Startbahn. „Tuscaloosa Tower an Juliet-Juliet-one-niner“ krächzt die Stimme des Fluglotsen aus dem Lautsprecher. „Jimmy, bist du das?“
    Wenn ich nur den Namen höre, bekomme ich Brechreiz. Obwohl das Flugzeug nach uns beiden – Joe und Jimmy – benannt ist, sieht er es als seine Maschine. Das kann er vergessen. Kurzerhand schalte ich den Funk aus und gebe Schub. Ich weiß, dass das gegen die Regel verstößt, aber das ist mir jetzt egal. Der Flieger beschleunigt und hebt gleich darauf ab.
    Ich habe alles für ihn zurückgelassen: Tulsa, meine Freunde GS und Ben. Und das nur, weil er behauptet hat, in Tuscaloosa gäbe es bessere Bedingungen für die Entwicklung des Flugzeuges, und weil er seine Kollegen nicht verlieren wollte. Und jetzt kommt diese Tussi, macht ihm schöne Augen und sein Verstand schmilzt dahin. Oh, wie ich ihn hasse. Ich kann mich nicht beruhigen. Bedeutet ihm das alles nichts, was wir hier zusammen aufgebaut haben? Die Stadt, der Flughafen, Werkstätten und Labore? Die Unterkünfte für tausende Überlebende von Riftland, die heute hier ihr Zuhause haben?
    Bedeute ich ihm nichts?
    Vor lauter Wut merke ich nicht, wie ich den Rift überquere. Aufgeschreckt kontrolliere ich den Höhenmesser. 1700 Fuß, steigend. Mist. Ich sollte besser aufpassen und reduziere die Geschwindigkeit. Es ist verboten, südlich der Rifts zu fliegen. Sie bilden die Grenze des vergessenen Landes zwischen den Rifts, den Rockies und den restlichen Staaten der ehemaligen USA: Riftland, unsere neue Heimat. Erinnerungen kommen hoch.
    Keiner hat wirklich daran geglaubt, dass wir hier überleben können. Stan und GS haben an ihrem Plan festgehalten. Nach einem extrem harten Winter haben sie es geschafft, Tulsa-Basis neu aufzubauen. Fünf weitere Städte sind ihrem Beispiel gefolgt und haben die Basen und deren Umgebung neu organisiert. Verhandlungen zu den Nachbarstaaten Midland und Kentucky haben die Versorgung mit dem Nötigsten gesichert. Wir haben überlebt. Ich schaue auf die Landschaft unter mir und seufze. Das Land besteht nur aus trockener Steppe und Wüste. Nach dem großen Regen vor fünf Jahren ist südlich der Rifts nichts mehr gewachsen. Damals haben wir das Camp bei El Reno verlassen. Der ätzende und giftige Regen hat alles vernichtet. Weder Pflanzen, Tiere noch Menschen haben hier überlebt. Reste von zerfallenen Städten sind die letzten Zeugen einer blühenden Zivilisation. Ich fliege über die Ruinen der Wolkenkratzer, Siedlungen, Stadien und Straßen. Früher gab es südlich der Rifts gefährliche Banden. Ich gehörte ebenfalls eine Zeit lang zu diesen Gesetzlosen. Bis ich GS und Ben begegnete. Aber heute macht es für niemanden Sinn, sich in diesen trostlosen Städten aufzuhalten. Außer Steine und Sand ist hier nichts zu holen.
    Trotz der Dürre haben wir nicht aufgegeben. Die klimatisierten Kuppeln lassen einen Anbau von Getreide und Früchten zu. Die meisten Nahrungsmittel erhalten wir jedoch von den nördlichen Staaten. Die Rifts haben sich mittlerweile mit Wasser gefüllt, sodass wir nicht verdursten.
    Ich erreiche die Ausläufer der Mobile Bay. Das Wasser hat einen großen Teil des Festlandes verschlungen. Unzählige Buchten bilden die Küste der Bay. Ruinen überfluteter Siedlungen und Industrieanlagen ragen aus dem Wasser. Umgeben von dem Sand der Wüste geht von der Bay eine unheimliche Faszination aus. Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie es hier früher aussah.
    Gefangen von der Fremdartigkeit fliege ich darüber hinweg. Je länger ich hier oben bin, desto mehr beruhige ich mich und genieße die Einsamkeit. Plötzlich werde ich durch eine Reflexion abgelenkt.
    Was war das? Ich drehe eine Kurve, suche die Stelle ab, an der ich den Lichtblitz gesehen habe. Da! Schon wieder! Ich halte auf die Position zu. Sicherheitshalber bleibe ich vorerst auf 1500 Fuß. Man kann nie wissen, ob sich nicht doch Rebellen hier aufhalten.
    Was mag das sein? Sobald ich näher dran bin, habe ich einen besseren Überblick. In einem Seitenarm kann ich ein rechteckiges Gebilde sehen. Ich beginne mit dem Sinkflug und erkenne jetzt die Form: Ein alter Flugzeugträger. Er muss auf Grund gelaufen sein. Der Bug steckt in einer Sanddüne, das Heck schwimmt im Wasser.
    Etwas auf dem Schiff hat das gleißende Sonnenlicht reflektiert. Ein Spiegel oder ein Fenster? Ich fliege parallel zur Landebahn. Das Deck ist leergefegt und wirkt verlassen. Keine Flugzeuge, keine Maschinen oder größere Werkzeuge. Auch kein Schrott.
    Die Länge reicht für meinen kleinen Flieger aus. Mit widerstreitenden Gefühlen entscheide ich mich zur Landung.
    Das ganze Deck ist mit einer dünnen Sandschicht bedeckt, trotzdem schaffe ich das Manöver ohne Probleme. Ich stelle den Motor ab und steige unsicher aus. Mir schlägt das Herz bis zum Hals.
    Auf dem Deck sind lediglich die Spuren meines Flugzeuges zu sehen. Ich entdecke keinen Hinweis, ob das Schiff in letzter Zeit benutzt wurde. Es ist riesig, viel größer, als es von oben den Anschein hatte. Vor mir erheben sich die hohen Aufbauten der Brücke. Ich sehe mich um und bin mir nicht sicher, was ich machen soll. Erkunden oder abhauen? Zögernd gehe ich auf den Eingang zu. Die Schotten sind geöffnet. Über die metallenen Stufen erreiche ich die Kommandobrücke. Auf den ersten Blick scheinen alle Geräte ausgeschaltet zu sein. Überall gibt es Monitore, Tastaturen, Computer und Schalter. Ohne zu wissen, wie das hier funktioniert, rühre ich nichts an. Durch die schräg eingebauten Fenster kann ich das ganze Schiff überblicken. Keine Menschenseele ist an Bord. Auf den Scheiben wurden Buchstaben und Zahlen mit einem Filzstift aufgeschrieben und teilweise wieder durchgestrichen. An einer anderen Stelle wurde ein großes M mit einer Spitze nach rechts gemalt.
    Ich überlege, ob mir die Notizen und die Zeichnung etwas sagen? Nein. Das Schiff ist interessant, aber ohne geeignete Crew nutzlos. Ich verlasse die Brücke und erreiche wieder das Flugdeck, wo einsam meine JJ steht. Soll ich schon zurückfliegen? Was würde mich zuhause erwarten? Nur dieser Idiot mit seiner Tussi. Erneut steigt die Wut in mir hoch. Der kann erst einmal schmoren.
    Während ich nach den Eingängen zu den unteren Decks suche, schlendere ich die riesige Landebahn entlang. Anscheinend liegt das Schiff schon sehr lange verlassen in dieser Bucht. Eine Sanddüne lässt den eingegrabenen Bug erahnen. Geröll, Sand und Felsen sind neben verdorrten Bäumen und Sträuchern alles, was hinter dieser Düne sichtbar ist. Eine lebensfeindliche Landschaft. Hier würde sich freiwillig kein Mensch aufhalten. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es noch Fische im Wasser gibt. Kein Wunder, dass noch niemand dieses Schiff entdeckt hat.
    Ein Windstoß fegt über die Bahn und verweht meine Spuren im Sand. Ein Gefühl von Stolz erfüllt mich für einen kurzen Augenblick. Ich bin jetzt Besitzerin eines der mächtigsten Schiffe dieser Welt.
    Selbstsicher öffne ich ein weiteres Schott. Dahinter steige ich eine steile Treppe zur nächst tieferen Etage hinab. Ich blicke in einen langen Gang, der mit weißen Kabeln, Geräten in Signalfarbe und jeder Menge Rohre, Hebel und Schalter vollgestopft ist. Sogar unter der Decke ist ein Wirrwarr von Leitungen zu sehen. In regelmäßigen Abständen zu beiden Seiten diese Schotten.
    So sieht also ein Kriegsschiff von innen aus, denke ich bei mir.
    Auf eine mögliche Überraschung vorbereitet, bewege ich mich durch den Gang. Kein Schott ist verriegelt. Ich komme an mehreren Räumen vorbei, Maschinen, Vorräte, Kartons und Kleidung befinden sich in ihnen. Vieles davon könnte man bestimmt in den Basen gut gebrauchen.
    Irgendwann erreiche ich die riesige Küche. Geschirr, Töpfe und Pfannen – alles steht oder hängt an seinem Platz. Auf einer mannshohen Tafel sehe ich wieder dieselbe Zeichnung wie auf der Brücke: ein M mit einer Spitze nach rechts darunter. Nur wurde sie hier aufgesprüht. Sieht aus wie ein Graffiti. Wer würde denn eine Tafel besprühen, für die es ja sicher Kreide gibt? Ich schüttele den Kopf.
    Davon abgesehen herrscht hier penible Ordnung. Nirgendwo gibt es Anzeichen dafür, dass die Crew fluchtartig das Schiff verlassen hat. Zumindest nicht, soweit ich das nach meiner ersten Inspektion beurteilen kann.
    Ich dringe tiefer vor und erreiche schließlich den Hangar, der völlig leergeräumt ist: Auch hier sehe ich kein Flugzeug, keine Maschinen, keine Stapler oder Paletten. Nichts. Was wohl mit den Menschen geschehen ist, die hier ihren Dienst verrichtet haben? Ob sie mit den Maschinen entkommen sind? Es könnte sein, dass der Flugzeugträger in irgendeinem Hafen vor Anker lag. Die Flutwelle hat ihn dann weggetragen, bis er hier gestrandet ist. Ich will mich gerade umdrehen, da bemerke ich mit Farbe auf den Boden gemalte Pinselstriche. Ich gehe hin und knie davor nieder. Mit den Fingern streiche ich über die Farbe. Sie ist längst getrocknet und blättert stellenweise ab. Ich kann nicht erkennen, was die Striche darstellen sollen. Der Hangar ist mehrere Stockwerke hoch. Vielleicht sehe ich von oben mehr. Nicht weit von mir führen Leitersprossen in die oberen Etagen. Ich klettere hinauf. Dort angekommen schaue ich auf die Fläche hinunter. Von hier aus ist das ganze Bild zu erkennen. Es ist die gleiche Zeichnung wie in der Küche und auf der Brücke. Sollte es doch eine Bedeutung haben? Was will der Zeichner mit dieser Figur sagen? Wieso macht man sich die Mühe, die Figur so riesig auf den Boden zu malen? Ich schaue in die Richtung, in der die Spitze zeigt. Aber an der Stelle ist nichts. Ich habe keine Ahnung und wende mich in Richtung des Bugs. Es ist ein seltsames Gefühl, durch die Unterkünfte der Crew zu wandern. Nur wenige Sachen wurden zurückgelassen. Ein paar Bücher, ein Wecker, alte Schuhe. Nichts Wertvolles.
    Nachdenklich lasse ich mich auf eine der Kojen fallen. Vielleicht bleibe ich heute Nacht hier. Kann nicht schaden, wenn Jimmy nach mir sucht. Wahrscheinlich vermisst er aber eher sein Flugzeug als mich. Traurig stehe ich wieder auf und kehre auf das Flugdeck zurück. Die Dämmerung hat eingesetzt und der Himmel verfärbt sich rot.
    Noch vor acht Monaten war das gesamte Firmament über Riftland und südlich davon mit einer dichten Wolkendecke verhangen. Jetzt haben sich die Wolken aufgelöst, ohne abzuregnen. Das ist auch besser so. Auf ätzenden Regen haben wir getrost verzichten können. Lediglich in den nördlichen Staaten soll es normalen Niederschlag geben. Ich blicke nach oben. In der Dämmerung zucken gewitterähnliche Entladungen über das Firmament und erinnern deutlich an die tödliche Schicht in zweitausend Fuß Höhe. Selbst nach fünf Jahren wirkt sie immer noch gespenstig. Für mich ein sicheres Zeichen, diese Höhe zu meiden.
    Ich beschließe, die Nacht hier bei meinem Flugzeug zu verbringen, ich brauche jetzt Abstand und diese Einsamkeit kommt mir sehr gelegen. Die ersten Sterne sind bereits zu sehen. Sternschnuppen rauschen über mir vorbei. Ich liebe es, den Sternenhimmel zu betrachten. Er bringt mich auf andere Gedanken.
    Ich atme tief ein und gehe zum Flieger zurück. Plötzlich bleibe ich wie angewurzelt stehen. Hier stimmt etwas nicht. Die Tür steht offen. Ich bin mir sicher, dass ich sie geschlossen habe. Meine Selbstsicherheit ist verflogen. Mit einem Kloß im Hals mustere ich die Umgebung. Ist doch jemand auf dem Schiff?
    Vorsichtig nähere ich mich der Tür und schaue in den Flieger. Alles ist wie immer. Dennoch ist mir unheimlich zumute. Am liebsten würde ich sofort diesen Ort verlassen, allerdings wäre es töricht, so spät zu starten. Ich würde in der Dunkelheit schnell die Orientierung verlieren.
    Ich greife nach meinem Rucksack und nehme die Taschenlampe aus der Halterung. Mit raschen Schritten, das Deck immer im Blick, erreiche ich angespannt den Aufgang zur Brücke. Mit zitternden Knien erwarte ich hinter jedem Schott und jeder Treppe einen Angriff. Oben verriegele ich sofort die Tür und durchsuche die Brücke. Niemand da, alles ist so verlassen wie zuvor. Ich atme erleichtert auf.
    „Du musst dich beruhigen, Joe“, ermutige ich mich. „Setz dich und denke nach.“ Das würde sicher GS sagen, wenn er jetzt hier wäre.
    Ich nehme in dem erhobenen Sitz des Kapitäns Platz, zumindest glaube ich, dass es seiner ist, und blicke mich um. Von hier aus kann ich alles überblicken, fühle mich darin sicher. Ich atme tief durch und mein Herzrasen lässt nach.
    Nachdenklich betrachte ich die Zeichnung auf der Scheibe. Ich kann immer noch nichts mit ihr anfangen. Dann schaue ich mich um und entdecke in einem Fach verschiedene Karten, Pläne und eine graue Mappe. Neugierig nehme ich die Mappe und schlage sie auf. Meine Hände zittern immer noch.
    Draußen wird es schon dunkel und ich habe Mühe, die Schrift zu lesen. Zu meiner Überraschung erkenne ich im Licht meiner Taschenlampe, dass es sich um ein Logbuch mit handschriftlichen Aufzeichnungen handelt. Ist das nicht eher ungewöhnlich auf einem so modernen Kriegsschiff? Ich beginne zu lesen. Der erste Eintrag ist fünf Jahre alt und beginnt am 26. März.
    Mir läuft ein kalter Schauer den Rücken herab. Das war doch der Tag der Katastrophe. Den Tag, den kein Mensch je vergessen wird.
    ....

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    • Umschlaggestaltung : Constanze Kramer
    • Lektorat : Rohlmann & Engels
    • Korrektorat : Mirjam Samira Volgmann
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  • Der Ritter von I.S.T.A.R.I.
    Fantasy Science

    Teil 3 der Riftland Saga

    ein tödlicher Unfall
    ein perfekter Plan
    mysteriöse Phenomene


      Fünf Jahre sind seit der Entstehung der Rifts vergangen. Nur ein Bruchteil der Menschheit hat überlebt. Während die Werte der Gesellschaft zerfallen, haben Militärs, Diktatoren und skrupellose Clans das Sagen. Jeder ist sich jetzt selbst der Nächste.

      Gerade als eine Expedition Riftlands um GS, Ben und Joe versucht, die Ursachen der Katastrophe zu erforschen, geht ein Projekt in seine entscheidende Phase und verändert die Machtverhältnisse auf dem Kontinent.

      Tom Farmer, Detective des Springfield Police Departments, hegt währenddessen Zweifel an einem Unfall in einem Zementwerk. Bei seinen Bemühungen, Licht ins Dunkel zu bringen, scheinen ihm Unbekannte immer einen Schritt voraus zu sein.

      Gleichzeitig behindert das Auftauchen religiöser Fanatiker und Sekten nicht nur Toms Nachforschungen, sondern auch die Pläne der Mächtigen und führt zu merkwürdigen Situationen und mysteriösen Phänomenen.
    .

  • Leseprobe
    Adam steht vor der Anlage und prüft die Anzeigen, die nur unsinnige Werte wiedergeben.
    „Bin gespannt, wann wir neue bekommen“, mault er, während er gegen die Druckanzeige klopft.
    Die Zeiger reagieren und bewegen sich.
    „Also, geht doch“, murrt er. Er notiert den Wert und prüft die nächste Anzeige. „Okay, Ich bin durch“, ruft er seiner Kollegin zu, die wenige Meter entfernt an den Ventilen steht. „Kannst den Schieber wieder aufmachen.“
    Nachdem sie das Ventil mit dem Handrad geöffnet hat, hört er, wie die Anlage ihre Arbeit wieder aufnimmt. Ohrenbetäubender Lärm lässt ihn rasch seine Ohrschützer aufziehen.
    Er schaut auf die Uhr und tippt seiner Kollegin auf die Schulter. „Feierabend!“, schreit er ihr entgegen.
    Plötzlich sieht er die gelben Lichter über der Schalttafel, die einen Alarm anzeigen. Kurz darauf vernimmt er schwach die Sirene.
    „Was ist los?“, fragt Adam.
    „Bestimmt wieder das Ventil an K3“, winkt die Frau ab und deutet auf das Ende der Rohrleitung.
    „Das darf doch nicht wahr sein!“ Adam stöhnt.
    Das Ventil hatten sie erst gestern ausgetauscht. Am liebsten würde so tun, als hätte er nichts bemerkt. Bestimmt ist die neue Schicht bereits auf dem Weg. Aber solange keine offizielle Übergabe stattgefunden hat, sind sie für die Störung zuständig. Beschissenes Timing, denkt Adam.
    „Ich geh rüber“, sagt er zu seiner Kollegin. „Wenn es wieder das Ventil ist, sperr ich nur ab und die nächste Schicht kann das erledigen. Du drückst inzwischen den Not-Aus.“
    Doch als er auf die Rohrbrücke steigt, um sich das Problem anzuschauen, sieht er, dass neben dem Ventil ein Kollege vor dem Geländer auf dem Boden liegt.
    Was ist da passiert?, denkt Adam alarmiert und eilt zu der Person. Scheint schlimmer zu sein, als ich dachte.
    Als er den Mann erreicht, kniet er sich hin und dreht ihn mit dem Gesicht nach oben.
    Was soll das denn?, denkt er noch, als im nächsten Augenblick die gesamte Anlage explodiert und seinen Körper von dem Gerüst schleudert.

    Tom steht am Herd und bereitet das Abendessen zu. Wie so oft hat er nur die Wahl zwischen Pasta oder Rührei mit Schinken. Seine Kochkünste sind eher mangelhaft, allerdings ist zurzeit auch nichts anderes zu haben. Er verteilt das Ei auf die Teller und brät den Schinken in der Pfanne an.
    „Oh, nicht schon wieder“, meckert Liam, der soeben die Treppe herunterpoltert. Der Geruch nach Angebranntem ist im ganzen Haus zu vernehmen. „Kannst du nicht mal etwas anderes machen?“
    Tom blickt genervt auf den Herd, um den Schinken zu retten. Seit zwei Wochen lässt sich die Temperatur nicht mehr richtig regeln.
    „Schieße!“, schimpft er und hebt eilig die Pfanne vom Herd, aber es ist bereits zu spät. Tom verzieht das Gesicht und kratzt das, was vom Bacon übrig ist, aus der Pfanne. „Tut mir leid. Wie wäre es, wenn du das Kochen übernehmen würdest?“, fragt er seinen Sohn.
    „Damit die Bude abbrennt, wie beim letzten Mal? Nein, danke“, wehrt Liam ab. „Schließlich bist du der Versorger hier. Das ist also dein Part“, sagt er mit einem schelmischen Grinsen, setzt sich an den Esstisch und wartet darauf, bedient zu werden.
    Als Antwort strubbelt Tom seinem Sohn durch das Haar.
    „Lass das“, mault Liam und zieht den Kopf weg.
    Die Gasflamme erlischt, noch bevor Tom das Ventil schließt.
    „Verdammter Mist!“, flucht er erneut, als er auf dem Manometer am Herd sieht, dass die Gasflasche leer ist. „Ich finde, du machst es dir zu einfach“, sagt er zu seinem Sohn. „Du könntest ruhig ein paar Aufgaben im Haushalt übernehmen.“
    „Sorry, aber du hast gesagt, ich soll mich auf den Abschluss vorbereiten. Da bleibt keine Zeit für das.“ Liam macht eine ausholende Bewegung mit den Armen, die den ganzen Raum einschließt.
    „Du könntest weniger Zeit im Schachclub verbringen.“ Tom stellt das Abendessen auf den Tisch und setzt sich.
    „Das ist geistiges Training.“
    Liam hat auf alles eine Antwort, denkt Tom amüsiert und nicht ohne Stolz. „Dann beschwer dich nicht und iss.“
    Er vergewissert sich, dass er das Gasventil am Herd wirklich zugedreht hat. Ich muss mich morgen als Erstes um eine neue Flasche kümmern, denkt er und probiert das Rührei. Es hat keinen Geschmack. Wer weiß, wo die Eier herkommen. Früher war das Leben in Springfield besser und einfacher. Heute ist sich jeder selbst der Nächste. Der Schwarzmarkt blüht und das Verbrechen hat Hochkonjunktur.
    Vier Jahre schlagen sie sich jetzt schon allein durch. Damals brach in Springfield alles zusammen und jeder versuchte nur noch zu überleben. Mittlerweile ist es schwer an Gutscheine für Lebensmittel und Medikamente zu kommen. Angestellte der Stadt und der Polizei haben es einfacher. Ihnen steht wöchentlich eine feste Ration verschiedener Lebensmittel zur Verfügung, die sie im Lager des Departments erhalten. Aber oft reicht das auch nicht aus. Dann ist man auf die Händler der Clans mit ihren Wucherpreisen angewiesen. Dabei sind die alten Dollarscheine kaum noch etwas Wert und man einigt sich meistens auf Tauschwaren oder andere geldwerte und nicht selten illegale Gegenleistungen.
    „Wenn deine Mutter …“
    „Lass das“, unterbricht Liam ihn wütend. „Sie ist weg. Basta.“ Seit Toms Frau ohne Vorwarnung mit dem Nachbarn durchgebrannt ist, vermeidet es Liam, über seine Mutter zu sprechen.
    Das piepsende Geräusch des Pagers lenkt die beiden ab. Tom legt das Besteck zur Seite, um nachzusehen.
    „Du bist gerade erst nach Hause gekommen!“, protestiert Liam. „Können die nicht einen anderen rufen?“
    „Sorry, das ist ein Einsatz.“ Tom nimmt die abgewetzte braune Wachsjacke von der Lehne des Stuhls und schaufelt hastig die Reste von seinem Teller in sich hinein.
    Liam stochert lustlos in seinem Essen. „Ich weiß. Lass stehen, ich räum gleich ab“, sagt er.
    „Danke, mein Sohn.“ Tom küsst ihn auf die Stirn. „Ich hab dich lieb. Bis später. Ich mache es wieder gut.“
    Mit quietschenden Reifen fährt sein Kollege vor und lässt kurz die Sirene aufheulen.
    „Das sagst du jedes Mal“, ruft Liam ihm laut hinterher.

    „Was gibt’s?“, fragt Tom, sobald er im alten Crown Vic seines Kollegen sitzt.
    „Explosion im Zementwerk. Mehrere Tote und Verletzte.“
    „Ich habe nichts gehört“, sagt Tom, besorgt darüber, dass er Liam wieder allein zurücklassen muss.
    „Du solltest dein Gehör überprüfen lassen. Das hat anständig gerappelt.“
    Tom winkt ab. Roger weiß, dass er seit seinem Einsatz im Irak Schwierigkeiten auf der rechten Seite hat. Als er wieder in der Heimat war, haben sie ihn durchgecheckt und anschließend vor die Wahl gestellt: ausmustern oder einen Posten beim Springfield Police Department. Er hat sich für das SPD entschieden.
    Als sie am Unfallort ankommen, werden sie vom Pförtner gestoppt. Erst als Tom seine Marke vorzeigt, werden sie durchgewunken.
    Feuerwehr, Krankenwagen und Helfer sind bereits vor Ort. Das Areal wurde mit rotweißen Bändern abgesperrt.
    Der größte Teil der Anlage ist verwüstet. Von einem turmhohen Silo wurde die Hälfte der Seitenwand weggerissen. Durch die verbogenen Stahlstreben können sie nun ins Innere der Fabrik sehen. Teile des Silos liegen verstreut auf dem Boden und haben zahlreiche Arbeiter unter sich begraben, die gerade geborgen werden. An vielen Stellen steigen noch Rauchwolken auf. Der Tatort ist mit einer dicken, hellgrauen schlammigen Schicht bedeckt.
    Tom steigt aus dem Wagen und zeigt einem Polizisten seine Marke. Dann hebt er eines der Absperrbänder hoch und geht drunter hindurch. Sein Chef, Chief Banks, dirigiert gerade seine Leute und kommt anschließend auf Tom zu.
    „Hallo Chief“, begrüßt er ihn. „Das sieht schlimm aus. Was ist passiert?“
    Auf der Fläche vor der Anlage werden gerade die Feuerwehrschläuche zusammengerollt. Über das ganze Gelände verteilt kennzeichnen gelbe Nummernschilder den Tatort und die mit Kunststoffplanen abgedeckten Leichen.
    „Sieht nach einer Gasexplosion aus. Wir müssen noch den Bericht der Feuerwehr und Spurensicherung abwarten.“ Er deutet auf die Leute mit den Laborkoffern und Fotoapparaten.
    „Collins und seine Jungs?“, fragt Tom skeptisch, während er sich Gummihandschuhe überzieht.
    „Na ja. Gutes Personal ist in diesen Zeiten schwer zu bekommen. Mal sehen, was sie herausfinden.“
    „Wir machen uns sofort an die Arbeit “, sagt Tom. Er hat solche Szenen bereits zu oft gesehen, als dass sie ihn schockieren könnten. Im Irak hatte er täglich damit zu tun.
    Tom spricht den nächsten Polizisten an. „Was haben wir?“
    „Vierzehn Tote und drei Verletzte, davon zwei schwer.“ Er zeigt auf einen Mann, der gerade von einem Sanitäter behandelt wird. „Der hat Glück gehabt.“
    „Konnte er etwas über den Unfall sagen?“
    „Verworrenes Zeug. Aber macht euch ruhig ein eigenes Bild.“
    Tom begibt sich zu dem Verletzten. „Entschuldigen Sie, wir haben noch einige Fragen.“
    Der Mann wirkt irritiert und nervös. „Ich habe Ihrem Kollegen schon alles gesagt“ , beginnt er. „Ich war gerade auf dem Weg zum Pförtner, als mich die Druckwelle von hinten erfasst hat. Dann war alles voller Staub. Ich kann Ihnen wirklich nicht sagen, was geschehen ist.“
    „Gibt es jemand, der etwas gesehen haben könnte?“
    „Die Schicht ist nur mit acht Mann besetzt. Wir hatten gerade Schichtwechsel.“
    „Und der Chef der Anlage?“
    „Wohnt in St. Louis und kommt nur alle zwei Wochen vorbei.“
    „Was ist mit dem Pförtner?“
    „Keine Ahnung. Da müssen Sie ihn selber fragen.“
    Tom schaut sich um und nickt. So richtig weiß er nicht, was er hier soll. Es sieht nach einem Betriebsunfall aus, Sabotage würde bei dem Zementwerk keinen Sinn ergeben. Es gibt keine Konkurrenten, und seitdem es keine Versicherungen mehr gibt, kommt für den Schaden keiner auf.
    Er geht zu seinem Partner.
    „Ich habe mich hier mal umgeschaut“, sagt der. „Bei den Puzzleteilen müssen wir auf die Laborberichte warten.“ „Wir sollten den Pförtner und die benachbarten Firmen befragen“, schlägt Tom vor. „Vielleicht erfahren wir dort mehr.“
    Sie steigen in den Wagen und halten zuerst beim Pförtner an. „Ich hatte gerade meine Schicht begonnen, als der Alarm losging. Kurz darauf ist die Anlage in die Luft geflogen“, berichtet der Mann.
    „Was ist mit Ihrem Kollegen von der anderen Schicht?“, fragt Tom, während er die Aussage notiert.
    „Der war schon lange weg. Wir Pförtner wechseln immer zwanzig Minuten vor den Arbeitern.“
    „Geben Sie unseren Kollegen“, dabei zeigt er auf einen der Polizisten, „Ihren Namen und Adresse. Auch die von Ihrem Kollegen. Wäre gut, wenn sie eine Liste der Angestellten für uns hätten.“
    Dann beeilt er sich, zum Wagen zu gelangen, als er die Horde Journalisten mit ihren Kameras auf das Pförtnergebäude zustürmen sieht.
    „Lass uns abhauen“, raunt er seinem Partner zu.
    Nachdem sie Stunden damit verbracht haben, die benachbarten Anwohner und Arbeiter in den angrenzenden Firmen zu befragen, wird ihnen klar, dass sie nicht weiterkommen. Niemand hat etwas bemerkt oder gesehen. Lediglich den Knall haben alle gehört. Bleibt nur der übliche Papierkram.

    Im Büro stapeln sich die Akten der anderen unerledigten Fälle. Richtige interessante Kriminalfälle sind nur wenige dabei. Meistens geht es nur um Ladendiebstahl, Einbrüche von Jugendlichen oder Drogenjunkies, Schlägereien und private Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Manchmal kommt es vor, dass sie zwischen den rivalisierenden Banden der Nordstadt schlichten müssen. Aber die richtig schweren Delikte, für die die Mordkommission oder das Raubdezernat zuständig wäre, regeln die Clans untereinander. Tom und seine Kollegen sorgen nur noch dafür, dass nichts aus dem Ruder läuft.
    Seinen kurzen Bericht schreibt er von Hand auf ein Formular, das später von den Sekretärinnen in die wenigen Terminals eingegeben wird. Er ist wie immer skeptisch, ob die Daten ordentlich gespeichert werden. Zumindest hat er in den letzten Jahren niemals zufriedenstellende Antworten aus dem System erhalten, wenn er eine Anfrage gestellt hat. Wenn er etwas wissen will, muss er am Ende immer selbst im Archiv die Akten durchsehen.
    „Du solltest nach Hause gehen. Es ist bereits Mitternacht“, sagt Roger. „Komm, ich fahr dich.“
    „Du hast recht“, antwortet Tom und reibt sich die Augen. „Ich sollte Liam nicht so lange allein lassen.“
    Auf dem Weg nach draußen denkt er an seinen Sohn und wie ihre Beziehung durch seinen Job immer schwieriger wurde. Tom ist stolz, dass der Junge so selbständig ist. Aber in seinem Alter braucht er seine Eltern mehr denn je.
    Tom schreckt aus seinen Gedanken auf, als sie vor dem Gebäude von einer Reporterin abgefangen werden. Sie ist jung, hübsch und weiß ihre großen braunen Augen bei seinem Partner einzusetzen.
    „Was war das für eine Explosion am Zementwerk?“, stellt sie die üblichen Fragen.
    „Es sieht nach einem Unfall aus“, erklärt Roger prompt. „Eine Gasexplosion wahrscheinlich. Morgen erfahren wir mehr.“
    „Könnte es mit dem Kongress zu tun haben?“, fragt sie weiter.
    Tom wundert sich über die Frage. Da besteht doch überhaupt kein Zusammenhang.
    „Und was ist mit der Sekte von …“
    Er ahnt, worauf sie hinauswill, und zieht seinen Kollegen weg.
    „Lass sein, Roger. Das ist eine von den Verschwörungstheoretikern. Du verbrennst dir nur den Mund, wenn du nicht aufpasst.“ Zur Reporterin gewandt sagte er: „Und du solltest dich so spät nicht hier herumtreiben.“
    Sie lassen die Frau stehen und sein Kollege fährt ihn nach Hause. „Aber süß sah sie aus“, meint Roger noch, als Tom vor seinem Haus aussteigt.
    ...
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    Fantasy Science

    Teil 4 der Riftland Saga

    Todliche Tränen
    Verlorene Leichen
    Vergessene Bücher


      Der Rat der Kontinuen hat den Istari jegliche Einmischung in die Belange der Menschheit untersagt. Um die Sicherheit der Erde zu gewährleisten, wurde das Kontinuum Nthaw zu ihrem Beschützer ernannt, allerdings verfolgen die Nthawi ihre eigenen Pläne mit ihrem Protektorat.
      Auf der zu großen Teilen zerstörten Erde hat nur eine Minderheit Kenntnis von der fremden Herrschaft. Eine kleine Gruppe um GS organisiert sich, um gegen die Fremden vorzugehen.
      Obwohl Roger von den Machenschaften der Fremden weiß, will er sich nicht länger einmischen. Gemeinsam mit der Liebe seines Lebens begibt er sich auf die Suche nach einem normalen, einfachen Leben in dieser neuen Welt. Doch gerade auf diesem Weg holt das Schicksal ihn ein.
    .

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    V o r g e s c h i c h t e

    Fünf Jahre sind vergangen, seit ein misslungenes Experiment der Mountmarker die Menschheit an den Abgrund der Existenz brachte. Das gesamte Eis der Gletscher und Pole ist geschmolzen. Der Meeresspiegel stieg weltweit sprunghaft um 60 Meter an. Riesige Flutwellen vernichteten die Küstengebiete. Gleichzeitig entstand eine unüberwindliche Luftschicht in zweitausend Fuß Höhe, oberhalb der kein Leben möglich war. Nur zehn Prozent der Menschen haben diese Katastrophe überlebt.
    Während sie versuchen, zu überleben, übernehmen skrupellose Politiker und Militärs das Kommando und streiten um die Machtverhältnisse auf dem amerikanischen Kontinent. Inmitten dieses Chaos gelingt es dem deutschen GS und dem ehemaligen Präsidenten Payne, den Staat Riftland aufzubauen. Dreizehn Jugendlichen unter der Führung des Jungen Ben wurden von einer unbekannten Macht besondere Fähigkeiten verliehen. Mit der Hilfe dieser Berührten ist es Riftland gelungen, die Kultur und das Wissen der alten Welt zu bewahren und sich aus den Streitigkeiten der anderen Staaten herauszuhalten. Der jungen Joe gelang es bei einer waghalsigen Expedition in die Antarktis, die tödliche Barriere auszuschalten. Dort erfuhr sie die Wahrheit über die Ursache der Katastrophe. Dieses Unternehmen war nur Teil eines ausgeklügelten Plans des Diktators Big Don, der die Menschheit auf seine Weise retten will. Die Zerstörung der Luftschicht soll das Klima drastisch verändern. Um die Menschen vor der Vernichtung zu bewahren, nutzt er eine Technik der Mountmarker und bildet Schutzschirme über den verbliebenen Städten. Die Technik der Schirme stammt in Wahrheit von den Nthawi, einer außerirdischen Macht. Sie ermöglicht es ihnen, das Kontinuum ihres Erzfeindes
    – der Istari – anzugreifen. An vielen Orten erscheinen plötzlich Lebensformen aus den unterschiedlichsten Kontinuen, um entweder den Berührten zu helfen oder ihre eigenen Interessen durchzusetzen.
    Ein fehlgeleiteter Berührter wurde zu einem Ritter der Istari. Ihm ist es gelungen, fast alle Schutzschirme zu zerstören. Dabei nahm er den Tod von Millionen Menschen in Kauf. Mithilfe von Raven und Ashley, die ebenfalls nicht von der Erde stammen, gelingt es dem Detective Tom Farmer, den Ritter zu vernichten. Dabei wird er jedoch so schwer verletzt, dass er nur in der Heimatwelt der Ntahwi gerettet werden kann. Gleichzeitig wird bei dem Versuch, die Familie Payne zu beschützen, Ashley betrogen. Ihr schützendes Zeitfeld tötet die beiden, sowie die zwei Berührten Mia und Sophia.
    Die Nthawi übernehmen die Macht in den restlichen Städten und hetzen die Menschen gegen die Berührten auf. Big Don und GS schließen sich widerwillig zusammen und fliehen nach Oak Ridge, um von dort aus die Spur des Schwarzen Fuchs aufzunehmen und gemeinsam gegen die Fremden vorzugehen.

    M a c h t l o s

    Soeben ist die Nachricht von den Schirmen Newport, Columbus und Minneapolis eingetroffen. Henderson verkrampft die Hände hinter dem Rücken. So hat er sich seine Präsidentschaft nicht vorgestellt.
    Er blickt aus dem Fenster seines Büros. Der Schirm über Tulsa schimmert in der spätherbstlichen Sonne. Die Straßen sind leer. Ein Windstoß wirbelt Laub auf. Nachdem die Bewohner von dem Zusammenbruch der Schirme über den anderen Städten erfahren haben, sind sie panisch durch die Portale geflüchtet. Die Einheiten des Protection Squads haben sich aufgelöst und laufen ebenfalls davon, obwohl es außerhalb der Schutzschirme keinesfalls sicherer ist. Die Menschen werden dort der Natur ausgeliefert sein, die in den vergangenen Wochen bereits Tausende das Leben gekostet hat. Die Schirme sollten sie davor schützen. Jetzt sind sie selbst zu einer lebensgefährlichen Falle geworden.
    Henderson beobachtet eine Katze, die unbeeindruckt auf dem Vordach eines Nebengebäudes liegt. Er schmunzelt. Das Tier macht sich keine Gedanken darüber, welche Gefahr über ihrem Kopf schwebt.
    Er hat keine Informationen darüber, was in den anderen Städten geschehen ist, nur dass mindestens sieben von dreizehn Schirmen nicht mehr existieren und alles Leben unter ihnen vernichtet wurde.
    Er bekommt keine Verbindung nach Charlotte und Big Don meldet sich nicht. Wahrscheinlich existiert die Stadt ebenfalls nicht mehr. Was soll er jetzt machen? Weglaufen hat für Henderson keinen Sinn. Er sitzt in der Mitte von Tulsa und würde sich hinten anstellen müssen. Niemanden interessiert es, dass er der Präsident ist.
    Er seufzt. War es das für die Menschheit? Würden sie je wieder ein Leben in Sicherheit führen?
    „Du bist noch nicht weg?“, hört Henderson die Stimme seiner Vizepräsidentin und dreht sich zu ihr um.
    „Wohin soll ich gehen?“, fragt er zurück. „Was ist mit dir?“
    Die schlichte schwarze Anzughose mit dem weißen Oberteil zeigt ihm, dass sie ebenfalls nicht vorhat, die Stadt zu verlassen, um den Flüchtenden in die raue Wildnis Riftlands zu folgen.
    „Wir hatten unsere Chance“, winkt Claire ab. „Vielleicht haben wir Glück und Tulsa bleibt stehen. Dann gehört die Stadt uns.“
    „Du könntest den anderen hinterherlaufen und dein Leben retten.“
    „Was soll das für ein Leben sein? Das Land wurde durch die Stürme zerstört. Bald wird wieder das Gesetz des Stärkeren gelten“, sagt sie. „Ich hätte damit kein Problem, aber lebenswert ist es nicht.“
    Der Monitor auf Hendersons Schreibtisch gibt ein akustisches Signal ab. Eine Nachricht ist eingetroffen. Sofort steuern beide darauf zu.
    Er liest die Meldung und lässt sich anschließend resigniert in seinen Sessel fallen.
    Claire seufzt. „Jetzt ist es egal, wo wir uns aufhalten. Wenn diese Wetterfront uns erreicht, ist es außerhalb der Schirme auch nicht sicherer.“
    Henderson schwingt sich aus seinem Sessel. „Möchtest du etwas trinken?“, fragt er sie. „Ich brauche jetzt was Starkes.“
    „Ich nehme das Gleiche wie du.“
    Claire kichert belustigt, als Henderson sich umständlich in seinen Chefsessel setzen will, der jedoch wegrollt und ihn unsanft auf den Boden fallen lässt. „Ich glaube …“ Er steht schwankend wieder auf, „… das letzte Glas war zu viel“, nuschelt er.
    „Ich habe auch genug“, sagt Claire und stellt ihr halbvolles Glas weg. „Wenn so die Elite der Menschheit aussieht, geben wir euch keine hundert Jahre mehr, bis eure Spezies endgültig Geschichte ist.“
    Claire und Henderson wirbeln herum und verlieren fast das Gleichgewicht. Drei identisch aussehende Männer stehen im Raum. Kahlköpfig, mit Sonnenbrillen und in ihrer dunkelblauen, enganliegenden Kleidung wirken diese Hünen einschüchternd. Henderson bemüht sich, Haltung zu bewahren. Vergeblich fummelt er an seiner Krawatte herum.
    „Wer seid ihr?“, lallt er und schüttelt den Kopf, um klarer denken zu können. „Wir nennen uns selbst Nthawi und sollen euch beim Aufräumen helfen“, sagt der Mittlere.
    Henderson runzelt die Stirn. Hat der Mann seinen Mund überhaupt bewegt? „Ihr benötigt die Schirme, um euch vor den Stürmen und der Hitze zu schützen. Dabei werden wir euch zur Hand gehen, da ihr offensichtlich die Kontrolle darüber verloren habt.“
    Henderson lässt sich auf seine Couch fallen. Er weiß, dass er viel zu betrunken ist, um mit den Fremden zu verhandeln. „Übernimm du das“, sagt er zu Claire. „Wozu habe ich schließlich eine Vizepräsidentin?“
    „Was erwartet ihr als Gegenleistung?“, fragt Claire, die sich auf Hendersons Schreibtisch stützt.
    „Miss Durant kommt immer gleich zur Sache“, bemerkt der Fremde süffisant. „Wir garantieren euch Sicherheit und Wohlstand. Die Technik der Schirme bleibt dabei allein uns vorbehalten. Um unsere Aufgaben unauffällig auf diesem Planeten wahrnehmen zu können, werden wir die Firma Me- C-Net und die Agentur CN-News übernehmen. Euer Mäzen Mr. Jones, hat bereits einige intelligente Vorbereitungen getroffen, die wir nutzen können.“ Henderson atmet schwer aus. Das klingt nicht nach einem Angebot, sondern nach Fremdbestimmung.
    „Damit können Sie uneingeschränkt Einfluss auf die Bevölkerung nehmen“, stellt er fest. „Pressefreiheit gäbe es nicht mehr.“
    „Uns kümmern eure primitiven Sorgen nicht“, sagt der Mann arrogant. „Wir werden beim Aufbau einer neuen Infrastruktur, Industrie und Produktion helfen, ohne dabei eure Welt zu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen. Wir zeigen euch, wie es geht, und ihr kommt hoffentlich damit zurecht.“ „Oder auch nicht“, meint einer der anderen abfällig. „Hauptsache, ihr mischt euch nicht in unsere Angelegenheiten ein.“
    „Die da wären?“, fragt Claire.
    „Wir werden uns nicht dazu herablassen, euch alles zu erklären. Euer Verstand würde es doch nicht begreifen.“ Der Mann macht eine Pause und denkt nach. „Eine Bedingung haben wir allerdings.“
    Henderson horcht auf.
    „Ihr kümmert euch um die Berührten.“
    Claire blickt Henderson an, der nur mit den Schultern zuckt.
    „Keine Ahnung, wovon die sprechen“, nuschelt er. „Wenn sie keine Hallullzination sind, bin ich einverstanden. Ich brauche jetzt eine Runde Schlaf.“
    Er lässt sich seitlich auf die Couch fallen.
    „Wer sind die Berührten?“, fragt Claire.
    „Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Sie sind schuld am Tod von Millionen. Einen kennt ihr bereits unter dem Kürzel GS.“
    Dann drehen sich die drei Männer um und lösen sich im Türrahmen in Luft auf, als hätten sie nie existiert. Claire blickt aus dem Fenster. Die Oberfläche der Schirme über Tulsa ist ruhig, die Sterne des nächtlichen Himmels glitzern durch die schützende Barriere.

    Abschied

    Roger sitzt im Wagen auf dem Parkplatz der Fall Creek-Wasserfälle und spielt mit dem Zündschlüssel. Vor ihm erstreckt sich die karge, leblose Landschaft, die von einer rotbraunen Staubschicht bedeckt ist. Wahrscheinlich kennzeichnet sie auf der ganzen Erde die Gebiete der ehemaligen Todeszone oberhalb von zweitausend Fuß. Die Unwetter der vergangenen Wochen haben den Staub ebenso wenig abtragen können, wie der inzwischen einsetzende Regen. In den tiefer gelegenen Tälern stehen noch die toten Baumstümpfe der vormals grünen Wälder.
    „Die Paynes haben mehr verdient als diesen ärmlichen Abschied“, sagt er in die Stille des Wagens.
    Es ist erst wenige Tage her, seit er und Raven die sechs Leichen vor dem Wasserfall gefunden haben. Marian und Stanley Payne, James Burdon und die beiden Schwestern Sophia und Mia, die vor fünf Jahren mit GS und Ben aus Florida geflohen sind. Die sechste Leiche gehörte Ashley. Einem Scatach, der die Form dieser Frau angenommen hat. Sie hat versucht, die Opfer innerhalb eines Zeitfeldes zu beschützen. Roger hat nicht erfahren, was schiefgegangen ist.
    Laura zieht den Reißverschluss ihrer Jacke zu. Sie presst die Lippen zusammen und nickt. Er schaut sie von der Seite an, während sie die trauernden Freunde der Verstorbenen beobachtet, die mit gesenkten Köpfen zum Parkplatz zurückkehren. Eisiger Schneeregen fegt über die leblose, rötliche Ebene, aber die Trauernden scheinen es kaum zu bemerken.
    „Sie standen sich wohl sehr nahe“, sagt Laura, als GS mit Ann zum Wagen geht. GS kann Ann kaum beruhigen.
    „Sie haben mit den Paynes nach der Katastrophe zusammen ein Flüchtlingslager aufgebaut“, bemerkt Roger. „Jessica hat erwähnt, dass sich die meisten von ihnen dort kennengelernt haben.“
    Er wendet den Blick von Laura ab. Eigentlich gehört er nicht hierher. Diese Berührten sind eine Art Übermenschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Welt zu retten. Nach den jüngsten Ereignissen ist Roger skeptisch, ob ihnen das gelingen wird. Die Außerirdischen sind ihnen haushoch überlegen. Das hat sein Freund Tom deutlich zu spüren bekommen, als er bei dem Kampf gegen den Ritter der Istari schwer verletzt wurde. Raven sagte, nur die Mediziner von Nthaw könnten ihn retten. Zusammen mit Liam sind sie durch einen Teleport verschwunden.
    Jessica, Emma und die Rabba Paula nähern sich ihrem Fahrzeug. Er steigt aus dem Wagen und öffnet der Rabba die hintere Fahrzeugtür. Jessica und Emma steigen auf der anderen Seite ein. Roger schüttelt den Schnee ab und schlüpft zurück auf den Fahrersitz.
    „Was geschieht mit ihm?“, fragt Laura, als sie Big Don sieht. Er hat den Toten ebenfalls die letzte Ehre erwiesen. Der Mann steigt in den Wagen, in dem bereits Ravens Bodyguards Schutz vor dem ungemütlichen Wetter gesucht haben. Joe kommt den Weg hinauf. Sie windet sich aus den Armen von Leroy und stellt sich vor Big Dons Wagen. Sie spuckt mit Verachtung gegen die Scheibe und sagt etwas in seine Richtung. Big Don erwidert ihren Blick ohne eine Gefühlsregung.
    Roger startet den Wagen. „Die mögen sich nicht sonderlich.“
    Er sieht, wie Leroy und Anita Joe wegziehen und zu einem anderen Fahrzeug drängen.
    Nacheinander verlässt die Trauergemeinde den Ort und fährt zurück nach Oak Ridge. Big Don hat ihnen diesen Stützpunkt zur Verfügung gestellt, da die Berührten in der Nähe von Tulsa nicht mehr sicher waren, was auch immer das bedeutet.
    „Warum sind die Jugendlichen in Gefahr?“, fragt Roger. „Was hat Raven damit gemeint?“
    Er reibt über die Stelle, an der sich Ravens Armband befunden hat, während er mit der anderen Hand das Steuer hält. Manchmal hat er das Gefühl, es wäre noch unter seiner Haut.
    „Wir sind nicht allein im Universum“, sagt die alte Dame auf der Rückbank. Für Roger ist sie nach wie vor die Rabba, auch wenn er mittlerweile erfahren hat, dass ihr richtiger Name Pauline ist. „Die Fremden sind in der Lage, über Energieportale zwischen den Welten zu reisen“, fährt sie fort. „Sie benutzen unsere Erde, um ihre Interessen durchzusetzen.“
    „Die da wären?“, fragt Laura.
    „Das können nur die Außerirdischen sagen.“
    „Wie viele mag es von ihnen geben?“, fragt Jessica.
    „Raven und dieser Hund waren auf unserer Seite“, bemerkt Emma. „Sie stammten von verschiedenen Welten. Ashley war ein Scatach, ein Formwandler. Raven und sie haben uns vor den Istari gewarnt. Das macht schon vier außerirdische Zivilisationen.“
    „Raven hat von Eden gesprochen und der zweite Scatach wurde von jemandem beauftragt, der die Berührten vernichten sollte“, bemerkt Jessica. „Wer weiß, ob da nicht noch mehr sind, von denen wir nichts wissen.“ Roger seufzt. „Es ist schon komisch, dass es auf einmal Aliens gibt und wir nicht wissen, ob wir einen vor uns haben. Raven hätte mir wenigstens ihr Armband lassen können. Das Ding war richtig cool.“
    „Roger, unser Superheld.“ Laura tätschelt ihm die Schulter. „Ohne diese Fähigkeiten gefällst du mir besser.“
    „Aber er hat recht“, sagt Pauline. „Es wäre hilfreich, wenn wir ein Hilfsmittel hätten, mit dem wir die Fremden erkennen könnten.“
    „Und dann? Wir wissen nicht, worin die Gefahr für uns wirklich besteht und warum sie hinter uns her sind“, sagt Emma.
    „Auch können wir nicht sagen, wer uns wohlgesinnt ist“, sagt Pauline. „Wir wissen zu wenig über die Politik der Aliens.“
    Niemand erwidert etwas. Die restlichen zwei Stunden bis zum Ziel verbringen sie schweigend.
    Oak Ridge wurde nach der Katastrophe von den Einwohnern verlassen, sobald sie bemerkten, dass die Luft kaum atembar war. Sie flohen in tiefer liegende Gebiete nach Süden. Big Don dagegen wusste, welche Kostbarkeit hier wartete und hat immer wieder versucht, dieses Gebiet zu annektieren. Schließlich gelang es ihm mit Stanley Paynes Hilfe. Seine Leute, die den Supercomputer wieder in Betrieb nahmen, hatte er natürlich schon vorher in Oak Ridge eingeschleust.
    Big Don hat seit der Katastrophe einen Plan verfolgt und versucht, auf seine Weise die Menschen unter den Energieschirmen der Mountmarker zu beschützen. Allerdings wusste er nicht, dass er nur eine Figur in einem Plan fremder Mächte war.
    Nach dem Zusammenbruch der meisten Schirme und den verheerenden Unwettern haben nach letzten Berechnungen weniger als sieben Millionen Menschen überlebt. Davon hält sich etwa eine Million unter den derzeit noch stabilen Schirmen von Tulsa, Tuscaloosa, Wichita und Lexington auf. Der Rest der Menschheit auf diesem Kontinent versucht, in den wenigen Oasen irgendwie zu überleben.
    Für Roger ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Inseln des Lebens dem menschenfeindlichem Klima zum Opfer fallen werden. GS und Big Don beäugen sich noch immer argwöhnisch, aber die Situation lässt ihnen keine Wahl, als jetzt zusammenzuarbeiten.
    Nacheinander passiert der Konvoi den Kontrollpunkt, der den Zugang zu den National Laboratories regelt. Wenig später erreichen sie ihre Unterkünfte. Roger begleitet Laura zu ihrem Zimmer und küsst sie zärtlich auf die Wange. Er überlegt kurz, ob er ihr folgen soll, entscheidet sich jedoch dagegen. Er braucht jetzt Zeit für sich.
    In seinem Zimmer zieht er die nassen Klamotten aus und dreht die Heizung auf. Dann legt er sich auf das Bett. Nachdenklich starrt er die Decke an. Was soll er jetzt machen? Sein Leben wurde in den letzten Tagen völlig auf den Kopf gestellt.
    „Mein Gott, Tom!“, murmelt er vor sich hin. „Was haben wir nur angestellt? Warum musstest du unbedingt den Fall aufrollen?“
    Sie hätten es einfach bei dem Unfall belassen sollen und nichts wäre passiert. Liam wäre nie verschwunden und Tom wäre weiterhin in Springfield. Gemeinsam würden sie ihren Dienst verrichten, sich gegenseitig von ihren törichten Vorhaben abhalten und die Abende in Bars verbringen, wenn es Toms väterliche Aufgaben zuließen.
    „Lass die hohen Herren doch ihre Spielchen spielen. Was haben wir damit zu tun?“
    Roger schließt die Augen und hält sich die Hände vor das Gesicht, als er merkt, wie Tränen seine Wangen herunterlaufen. Er vermisst seinen Freund und Partner. Selbst Aaron, diesen komischen Kauz. Sie haben ihn im Lazarett zurückgelassen, für einen Transport war er noch zu schwach gewesen.
    „Was mache ich hier überhaupt?“, fragt sich Roger erneut und richtet sich auf. Um auf andere Gedanken zu kommen, beschließt er, eine kalte Dusche zu nehmen. Das gibt einen klaren Kopf. Er legt die restliche Kleidung ab und geht ins Bad. Ein stechender Schmerz im Bein erinnert ihn an die noch nicht vollständig verheilte Verletzung, die er sich in dem Fahrstuhlschacht in Nashville zugezogen hat.
    Erfrischt und mit neuer Energie zieht er die Kleidung an, die alle Mitarbeiter im Labor tragen: einen eng anliegenden dunkelblauen Overall, der mit einem Reißverschluss an der Vorderseite geschlossen wird. Roger mag eigentlich diese Art von Kleidung nicht, aber er muss zugeben, dass sie sich gut auf der Haut anfühlt und auch bei den winterlichen Temperaturen außerhalb des Gebäudes angenehm warm hält. Außerdem ist sie wasserabweisend und widerstandsfähig.
    Er betrachtet sein Spiegelbild und schüttelt nachdenklich den Kopf. „Das bist du nicht, Roger Wheeler. Du hast hier nichts verloren.“ Entschlossen verlässt er sein Zimmer und sucht Laura auf. Er zögert kurz, bevor er anklopft.
    „Komm rein, Roger!“, schallt es von innen.
    „Hast du mich erwartet?“, fragt er und betritt den Raum. Ihre einfache Wohnung gleicht der seinen: Ein langer schmaler Raum ohne Fenster. Ein Schreibtisch mit Stuhl, ein Bett und eine Küchenzeile gehören zur spartanischen Einrichtung. Ein Geruch von Desinfektionsmittel steigt ihm in die Nase und verstärkt den sterilen Eindruck der weißen Wände.
    „Wer sollte mich sonst besuchen?“, antwortet sie. „Von den anderen kenne ich keinen.“
    Roger greift nach ihrer Hand und zieht sie zu sich. Laura legt ihre Arme um ihn und drückt ihren Kopf gegen seine Schulter. Sekundenlang verharren sie schweigend in dieser Stellung.
    „Ich habe eine Entscheidung getroffen“, sagt er schließlich. Laura löst sich von ihm. „Nur für dich?“
    Er grinst. „Ich hoffe sehr, dass du mich begleitest.“
    „Erzähl!“
    „Ich fühle mich hier nicht wohl.“ Er macht eine ausholende Handbewegung. „Ich bin ein Polizist und kann nichts mit diesen Präsidenten, Staatsoberhäuptern, NSA-Chefs oder berühmten Schauspielern anfangen. Die sind eine Nummer zu groß – zu wichtig – für mich. Dann sind da noch diese merkwürdigen Berührten, von denen ich nicht weiß, was ich von ihnen halten soll. Sie sind mir unheimlich.“
    Laura nickt. „Mir geht es ähnlich.“
    „Dann lass uns verschwinden“, sagt Roger. „Wir könnten ins Lazarett zurückkehren und dort helfen. Außerdem ist Aaron noch dort.“
    Laura umarmt Roger erneut. „Ich bleibe bei dir. Wohin du auch gehst.“
    Roger schaut in ihre warmen Augen und küsst sie auf ihre weichen Lippen.

    N e u e Z i e l e

    Roger und Laura betreten den kleinen Hörsaal des Laboratoriums, in dem GS alle zusammengerufen hat. Sie setzen sich in die vorletzte Reihe. Nacheinander erscheinen die anderen und verteilen sich weitläufig in dem Saal, während GS nachdenklich auf dem Podium auf und ab geht. Big Don hat sich vor ihm niedergelassen und Roger bemerkt, wie er den Mann aufmerksam beobachtet.
    GS schaut auf und räuspert sich, als der Letzte die Tür schließt. „Ich freue mich, dass ihr meiner Einladung gefolgt seid, und möchte mich für eure Anteilnahme am Grab unserer Freunde bedanken.“
    Er macht eine kurze Pause.
    „Stanley Payne hatte eine Vision“, fährt er fort. „Die Vision von einer geeinten Nation. Auch unser Gastgeber, Mister Jones, hatte dieses Ziel vor Augen, wenn er es auch mit anderen Mitteln umsetzen wollte. Es ist im Nachhinein müßig, darüber zu streiten, wer richtig oder falsch gehandelt hat, die Realität hat uns inzwischen eingeholt. Fremde Kräfte haben sich durchgesetzt und unsere Pläne zerstört.“
    Roger hört kaum zu, sondern blickt Laura immer wieder von der Seite an. Diese Frau fasziniert ihn. Noch nie hatte er solche Gefühle für jemanden. Er nimmt Lauras Hand, doch sie wehrt ab und deutet nach vorne, wo GS und Leroy ihre Vorträge halten. Sie hört den beiden gespannt zu. Roger atmet tief ein und lehnt sich zurück, während die Redner über Aliens, Mountmarker, Sphären und die Berührten sprechen. Ihm wird deutlich bewusst, dass er sich richtig entschieden hat.
    Am Ende der Versammlung nickt er Laura zu und gemeinsam gehen sie die wenigen Stufen herab. GS zieht die Augenbrauen hoch, als sie ihn erreichen. „Kann ich kurz mit dir reden?“, spricht Roger ihn an.
    „Sicher. Was gibt es?“
    „Wir haben eine Bitte“, druckst Roger herum. „Wir würden gerne zurück.“ „Ihr wollt uns verlassen?“, fragt GS erstaunt. „Hier seid ihr in Sicherheit. Wo wollt ihr hin?“
    „Sei uns nicht böse, aber das ist nicht unsere Welt. All die Aliens, Universen und Berührten ….“ Roger macht eine ausholende Geste. „Außerdem haben wir einen Freund zurückgelassen, um den wir uns kümmern müssen.“
    „Das tut mir leid, dass ihr uns verlassen wollt“, sagt GS. „Wir können jede Hilfe gebrauchen. Allerdings werden wir euch nicht zwingen, an dieser wichtigen Aufgabe mitzuarbeiten.“
    So wie GS es formuliert, bekommt Roger ein schlechtes Gewissen. Er schaut zu Laura, die ihn aufmunternd anlächelt. Dann schüttelt er den Kopf. „Sorry.“
    „Ich kann euch verstehen. Solltet ihr es euch anders überlegen, seid ihr jederzeit willkommen.“
    „Danke“, sagt Laura.
    „Es ist euch wahrscheinlich nicht bewusst, aber die Menschen haben euch viel zu verdanken.“
    Roger blickt verlegen auf seine Hände. „Da wäre noch eine Sache …“, beginnt Roger.
    „Wenn ihr etwas braucht – einen Wagen, Verpflegung oder andere Sachen – sprecht mit Ann. Sie wird euch helfen.“
    Roger streckt GS die Hand entgegen. „Vielen Dank. Es war mir eine Ehre, dich kennenzulernen.“
    „Ganz meinerseits“, sagt GS und erwidert die Geste. „Wann wollt ihr los?“ „Gleich morgen früh. Nach Sonnenaufgang.“
    „Viel Glück.“
    „Das wünschen wir euch auch. Ihr könnt es gebrauchen“, erwidert Laura. Roger atmet tief durch, als sie den Kontrollpunkt des Laboratoriums passiert haben. Zuerst wollte er noch anhalten, um sich zu verabschieden, doch als er sah, dass die Leute mit einem Einsatzwagen vom Squad beschäftigt waren, ist er weitergefahren.
    „Bist du erleichtert?“, fragt Laura, beugt sich zu ihm und schmiegt sich an seine Schulter, während Roger mit einer Hand das Lenkrad festhält und sich auf die Straße konzentriert.
    „Haben wir die richtige Entscheidung getroffen oder sie im Stich gelassen?“ „Würden sie unsere Hilfe dringend brauchen, hätte GS uns zum Bleiben überredet. Dass er es nicht versucht hat, zeigt, dass wir entbehrlich sind.“ Roger zögert einen Moment. „Wahrscheinlich hast du recht.“
    „Kennst du den Weg zum Lazarett?“
    „Ich habe mir die Karten vorher eingeprägt. Wir brauchen etwa drei Stunden bis dahin.“
    Das Tal bei Oak Ridge ist von den verheerenden Stürmen ebenso verschont geblieben wie das Lazarett, wo sie Aaron zurückgelassen haben.
    Trotzdem haben die fünf Jahre nach der Katastrophe der Natur stark zugesetzt. Die meisten Bäume sind abgestorben. Nur vereinzelt haben Büsche und kleinere Bäume in geschützten Tälern überlebt. Laura starrt mit traurigem Blick auf die Landschaft, die an ihrem Fenster vorbeizieht. Roger wischt mit einer Hand über das Armaturenbrett des Impalas.
    „Der Wagen ist zwar alt, läuft aber zuverlässig“, sagt Roger, um Laura auf andere Gedanken zu bringen. „Die Tankfüllung reicht für fünfhundert Meilen. Bis Nashville sind es nur hundertsiebzig. Wir haben also genug Reserve. Danach müssen wir sehen, wo wir Sprit herbekommen.“
    „Was ist mit dem Fahrverbot? Gilt das noch?“
    „Ich hoffe nicht. Im Lazarett werden wir mehr erfahren.“
    „Wir werden dort sicher helfen können“, bemerkt Laura zuversichtlich. „Du kannst in Nashville beim Police Department fragen, ob sie einen Job für dich haben. Dann wäre auch der Wagen sicherlich kein Problem.“
    „Du glaubst, dass es noch existiert, nach allem, was passiert ist?“
    „Warum nicht?“, entgegnet Laura. „Egal, wer jetzt in der Stadt das Sagen hat, er muss auf jeden Fall für Ordnung sorgen.“
    „Nachdem die ganzen Schirme zerstört wurden, wird das Protection Squad diese Funktion übernehmen. Ich bin mir nicht sicher, ob die mich mit offenen Armen empfangen werden.“
    „GS hat gesagt, dass mindestens ein Drittel der Bevölkerung durch den Zusammenbruch der Schirme umgekommen ist. Darunter waren bestimmt auch viele Soldaten. Sie werden dringend Verstärkung brauchen.“ „Dein Optimismus tut gut“, sagt Roger grinsend, während er den Wagen auf die Interstate 40 lenkt.
    Ohne Zwischenfälle erreichen sie das Lazarett. Christine, die Verwaltungschefin, ist dankbar für ihr Angebot, aushelfen zu wollen. Sie zeigt ihnen, wo sie ihre Sachen in den Gemeinschaftsunterkünften deponieren können. Es ist erst wenige Tage her, seit sie die Zelte des Lazaretts verlassen haben.
    „Ich kann Unterstützung im Büro gut gebrauchen“, sagt Christine zu Laura. „Dein Mann kann bei den Technikern fragen.“
    „Oh. Wir sind nicht verheiratet, nur …“, entgegnet Laura und blickt Roger unsicher an.
    „Ich glaube, das weiß sie“, sagt Roger und legt einen Arm um sie. „Ich möchte nach Aaron sehen, sobald wir unsere Sachen verstaut haben.“
    „Geht in Ordnung“, antwortet Christine amüsiert. „Ich erkundige mich, wo er untergebracht ist.“
    Aaron wurde von der Intensivstation in eines der Krankenzelte verlegt. Roger geht durch den Eingang und erkennt den Freund sofort. Das Zelt mit der weißen Plane ist geräumiger als das, in dem er anfangs untergebracht war. Zurzeit sind insgesamt drei der acht Betten belegt. Aaron sitzt auf einem Stuhl neben dem Bett und hält ein Buch in der Hand. Er schaut zwischen dem Buch und einem Schachbrett, das auf einem Tisch neben ihm aufgebaut ist, hin und her. Schließlich bewegt er eine Figur.
    „Dir scheint es wieder besser zu gehen!“, ruft ihm Roger entgegen. Überrascht blickt Aaron auf. „Roger Wheeler, Miss Laura!“ Aaron springt von seinem Stuhl auf und lässt das Buch auf den Tisch fallen. Zwei Figuren purzeln zu Boden.
    Aaron kommt gebeugt auf sie zu und greift mit einer Hand an seine Seite. Roger kann ihm ansehen, dass er versucht, nicht das Gesicht zu verziehen. „Ich bin froh, euch beide wiederzusehen. Wie geht es euch?“
    „Hallo Aaron.“ Laura erscheint neben Roger und blickt Aaron lächelnd an. „Langsam, mein Freund“, sagt Roger und eilt ihm entgegen.
    Er bemerkt, wie die beiden anderen Patienten sich etwas zuflüstern und gemeinsam das Zelt verlassen. Dabei nicken sie ihnen freundlich zu. „Die Ärzte haben gute Arbeit geleistet und mich wieder zusammengeflickt. Schachspielen geht, aber den nächsten Aufzugsschacht werde ich noch nicht schaffen.“
    Roger zieht die Augenbrauen hoch. Ironie ist früher nicht gerade Aarons Stärke gewesen. Der Mann hat sich verändert. Aber wer hat das nach den letzten Ereignissen nicht?
    „Setz dich“, fordert Laura ihn auf. „Du solltest dich schonen.“ „Ich habe seltsame Geschichten gehört, aber niemand konnte mir sagen, was wirklich geschehen ist.“ Aaron schaut sie fragend an, nachdem er wieder auf seinem Stuhl Platz genommen hat. „Wie geht es Liam und Tom?“ Roger und Laura schauen sich an.
    „Was ist mit ihnen? Ihnen geht es doch gut, oder?“ Aarons Augen werden groß.
    „Soweit wir wissen, geht es beiden gut“, beginnt Roger und setzt sich auf die Bettkante.
    Aaron runzelt die Stirn. „Aber?“
    Roger holt tief Luft. „Wo fange ich nur an?“, murmelt er und beginnt stockend zu berichten, was in den letzten Tagen geschehen ist. Er erzählt von Raven, Toms Kampf gegen den Scatach in der Kirche, den Armbändern, Ashleys wahrem Wesen und ihrer Begegnung mit dem Ritter von Istar.
    Aarons Kinnlade klappt nach unten, als er von Toms Verletzung erfährt und wie sie über den Teleport in das Lazarett gelangt sind.
    „Die Ärzte sagten, dass sie für Tom nichts mehr tun können. Raven hat ihn auf Liams Drängen irgendwo hingebracht, wo sie glaubte, dass man ihn heilen kann. Liam wollte seinen Vater nicht allein lassen und hat sie begleitet.“ „Und wo sind sie jetzt?“
    „In einer fremden Welt?“, antwortet Roger unsicher. „Ich weiß nicht, ob wir sie wiedersehen werden.“
    „Mhm“, macht Aaron und schaut ihn nachdenklich an, als wisse er nicht, ob er alles glauben kann. „Ich werde für sie beten“, sagt Aaron, als er sich wieder gefasst hat. „Was ist mit Jessica und den Kindern?“
    Mehrere Mediziner und Pfleger betreten diskutierend das Zelt.
    „Sie sind in Sicherheit“, erwidert Laura und beobachtet unsicher die Gruppe. „Aber das sollten wir besser nicht hier besprechen.“
    „Ich wollte sowieso einen Spaziergang machen“, sagt Aaron und steht schwerfällig auf. „Ihr könntet mir Gesellschaft leisten.“
    „Ich muss eben noch bei der Verwaltung vorbeischauen“, sagt Laura. „Geht schon vor, ich hole euch bestimmt ein.“
    „Sicher“, erwidert Aaron mit einem schiefen Grinsen, während Roger ihn zu stützen versucht. „Zeig mir, wo ihr damals durch diesen Port angekommen seid.“
    Roger zuckt mit den Schultern und führt den Mann durch das Zelt. Da befreit sich Aaron aus seinem Arm. „Ich bin nur verletzt, nicht senil.“ Mit normalen Schritten geht er durch den Eingang. Roger schüttelt amüsiert den Kopf, doch bevor er ihm folgen kann, zieht Laura ihn am Kragen zu sich heran und küsst ihn leidenschaftlich auf den Mund.
    „Bis später, Liebster“, haucht Laura ihm anschließend ins Ohr, geht auf den Ausgang zu und lässt Roger mit offenem Mund zurück.
    Aaron schaut ihr amüsiert nach, bis Roger neben ihm steht. „Was wolltet ihr mir im Zelt nicht erzählen?“, fragt Aaron draußen. „Du weißt ja von den Mädchen und ihren Fähigkeiten“, beginnt Roger und Aaron nickt. „Man nennt sie auch die Berührten. Frag mich nicht, warum. Auf jeden Fall gehören GS und deine Rabba ebenfalls zu ihnen.“ „Unsere Rabba Paula?“, fragt Aaron erstaunt.
    „Wusstest du, dass ihr richtiger Name Pauline ist?“
    Aaron schüttelt sprachlos den Kopf.
    Sie gehen eine Weile schweigsam weiter. Das Lazarett verschwindet hinter den kargen Bäumen und Sträuchern.
    „Wo sind sie jetzt?“, fragt Aaron.
    „Jemand will sie umbringen und jetzt müssen sie sich verstecken.“
    „Wer?“
    Roger seufzt. „Ich weiß nicht, ob ich das alles richtig hinkriege: Also da gibt es die Istari, die nicht mit den Berührten zusammenkommen dürfen – oder so ähnlich. Dann gab es diesen Scatach, der schon in Champaign hinter den Mädchen her war. Aber Ashley war auch ein Scatach und mit ihnen befreundet.“
    Roger blickt Aaron skeptisch an und hat seine Zweifel, ob der ihm folgen kann. „Raven ist wiederum ein Wächter und hat von irgendwelchen Auftraggebern und einem Rat gesprochen.“ Er bleibt stehen und sieht Aaron entschuldigend an. „Wenn du mich fragst, sind das zu viele Aliens auf einmal. Ich komme da nicht wirklich mit. Nur so viel ist sicher: Die Berührten müssen sich verstecken und gleichzeitig die anderen warnen.“
    „Welche anderen?“
    „Paula – ich meine Pauline – hat von insgesamt zweiundvierzig Berührten gesprochen, die über die ganze Welt verteilt sind.“ Kalter Wind zerrt an seiner Jacke und Roger schaut nach oben. „Wir sollten zurückkehren, das wird gleich ungemütlich.“
    „Und dieser Teleport?“, will Aaron wissen und bleibt stehen. „Wie muss ich mir den vorstellen?“
    „Ein rechteckiges Energiefeld mit einem unregelmäßigen Rand. Man konnte diese Landschaft in seinem Inneren erkennen.“
    „Und hier seid ihr herausgekommen? Von Champaign aus?“
    „Gleich da vorne.“ Roger zeigt auf ein markantes Gebüsch. „Hört sich wie Science-Fiction an … Ich würde es auch nicht glauben, wenn ich es nicht erlebt hätte.“
    Ungemütlicher Schneeregen setzt ein und sie kehren um. Als Roger und Aaron das Lazarett erreichen, werden sie bereits von Laura erwartet. „Es sind neue Unwetter angekündigt“, sagt sie und schaut beunruhigt nach draußen. „Christine will auch dieses Mal nicht weichen.“
    „Sie kennt das Risiko“, meint Aaron, während er seine Jacke abklopft.„Die letzten Stürme hat das Lazarett auch überstanden. Wohin soll sie fliehen? Die intakten Sphären sind zu weit entfernt.“
    „Hoffentlich hast du recht“, meint Laura besorgt.

    Engpass

    Während Laura und Roger frühstücken, kommt Christine an ihren Tisch.
    „Darf ich euch Turteltauben stören?“
    Erstaunt blicken sie auf.
    „Sicher“, sagt Laura. „Setz dich.“
    „Wie ihr wisst, sind wir hier notorisch unterbesetzt und ich kann normalerweise niemanden abziehen. Aber da ihr jetzt hier seid, könnte Roger
    vielleicht etwas für uns erledigen.“
    „Alles, was in meiner Macht steht.“
    Christine lächelt dankbar. „Uns gehen die Medikamente aus“, beginnt sie verlegen. „Der Nachschub kam das letzte Mal aus Lexington, aber nach den jüngsten Ereignissen werden wir nicht darauf hoffen können.“
    „Ich kann mich auf die Suche machen“, bietet Roger an. „In Tuscaloosa und Tulsa sollte noch etwas zu finden sein.“
    „Das ist nicht nötig und auch zu gefährlich“, entgegnet Christine. „Wir haben erfahren, dass jemand Bestände in der Nähe von Atlanta hortet, und Kontakt aufgenommen.“
    „Atlanta ist nicht nur ein Tagesausflug“, überlegt Roger. „Mit dem Wagen brauche ich mindestens drei Tage und mich darf keiner erwischen.“
    „Deshalb sind Tulsa und Tuscaloosa auch tabu. Das Squad würde den Wagen sofort konfiszieren.“
    „Ich brauche Sprit.“ Roger rechnet in Gedanken die Menge aus. „Mehr als eine Tankfüllung.“
    „Du kannst den Jeep nehmen“, schlägt Christine vor. „Das ist ein Diesel, der verbraucht weniger und du könntest zur Not Heizöl tanken.“
    „Wie wäre es mit einigen Reservekanistern?“, schlägt Laura vor. „Ich kenne jemanden in Nashville, der würde uns sicher helfen.“
    „Uns?“ Roger schaut Laura überrascht an.
    „Ich lasse dich kein zweites Mal aus den Augen“, sagt sie mit schelmischem Blick. „Außerdem habe ich in Nashville noch etwas zu erledigen.“
    Christine steht schnell auf. „Ich bereite eben die Unterlagen und die Bezahlung vor.“
    „Du denkst an Miller?“, fragt Roger, als Christine weg ist.
    „Ist einen Versuch wert.“
    Roger nimmt zärtlich ihre Hand. „Informierst du Aaron? Dann gehe ich rüber zu Christine und komme nachher zu ihm.“
    „Okay.“
    Wenig später sind sie auf dem Weg nach Nashville. Ihr erstes Ziel ist klar: das Hotel, in dem Laura früher gearbeitet hat. Doch als sie dort ankommen, finden sie nur noch die Reste der Grundmauern vor. Millers Bautrupp hat das ganze Viertel eingeebnet. Die Baustoffe benötigte man in den Korridoren der Städte für den Wiederaufbau.
    „Das sieht nicht gut aus“, meint Roger. „Die sind hier schon lange fertig.“ „Ich zeige dir den Weg zu Millers Lager vor der Stadt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er Nashville verlassen hat.“
    „Hoffentlich hast du recht“, meint Roger.
    Sie finden Miller in seinem Lager, wo er sie freudig begrüßt. Nachdem sie ihm ihr Vorhaben erklärt hat, schlägt er vor, einen Dreihundertlitertank mit Zapfanlage auf einem Teil der Ladefläche des Jeeps zu montieren. Roger will ablehnen, doch Miller besteht darauf und weist seine Mitarbeiter sofort an, damit zu beginnen.
    Während der Umbauten erzählen sie ihm beim Lunch, was sie nach der Rettung aus dem Hotel erlebt haben. Dabei lassen sie die Passagen mit den Aliens aus. Das würde zu viele Fragen aufwerfen.
    Miller hat inzwischen Anfragen aus den zahlreichen zerstör
    ten Städten erhalten. In Nashville ist nicht mehr viel zu tun. „Wahrscheinlich gehen wir nach Lexington, das Gebiet vor der Stadt hat es ziemlich schlimm erwischt und es ist nicht so weit entfernt. Meine Mitarbeiter haben alle Familie hier in Nashville.“
    „Der Wagen ist fertig“, hört Roger die Stimme eines Arbeiters hinter sich. „Danke, Mike“, sagt Miller und steht auf. „Ich habe noch etwas für Sie, Miss Laura“, sagt er und geht zu einem Sideboard. Aus einer Schublade holt er einen Koffer hervor und reicht ihn Laura. „Die Sachen haben wir in den Ruinen des Hotels gefunden.“
    Überrascht nimmt Laura den Koffer entgegen und schaut Miller dabei fragend an. Sie legt ihn auf den Tisch und öffnet ihn behutsam. Roger sieht, wie ihr die Tränen in die Augen schießen, während sie das Namensschild ihres Vaters hervorholt. Ein Ausweis und mehrere Kreditkarten liegen ebenfalls darin. Außerdem eine Schachtel, eingehüllt in zerknittertes Geschenkpapier. Sie presst sich eine Hand vor den Mund. Roger legt tröstend seinen Arm um sie. Auf dem festgebundenen Kärtchen steht: Für meine kleine Laura. Sie beginnt zu schluchzen und Roger zieht sie ganz zu sich heran.
    Miller nickt ihm zu und verlässt mit seinem Mitarbeiter den Raum.
    Es dauert einige Minuten, bis Laura sich gefangen hat. Schniefend geht sie zu Miller, der draußen bei seinen Männern steht.
    „Danke, Mr. Miller“, sagt Laura aufrichtig und fällt dem Mann um den Hals.
    „Ich wusste, dass Sie die Sachen eines Tages abholen würden.“
    „Was sind wir Ihnen schuldig?“, meint Roger und deutet auf den Wagen, als Laura sich auf den Beifahrersitz zurückzieht.
    „Vielleicht eine Kleinigkeit für meine Männer.“
    Roger überreicht Miller einige Packungen Zigaretten, Konserven und Münzen, die Christine ihnen als Tauschwaren mitgegeben hat. Er schaut zu Laura, die den Koffer fest umklammert.
    „Vielen Dank für Ihre Hilfe“, sagt Roger zu Miller. „Passen Sie auf sich auf.“ Als sie wieder auf die Straße biegen, fragt Laura: „Können wir noch einmal an dem Hotel vorbeifahren?“
    Roger nickt. Er würde ihr gerne ein paar tröstende Worte sagen, ihm fallen jedoch keine ein. Schweigend fahren sie zu dem Ort, an dem sich früher der Eingang des Hotels befand. Sie holt das Namensschild ihres Vaters hervor und legt es auf einen großen Stein in der Mitte des Platzes. Es tut Roger in der Seele weh, Laura leiden zu sehen. Gemeinsam nehmen sie Abschied von ihrem Vater.
    „Willst du das Päckchen nicht öffnen?“, fragt Roger, als sie wieder im Wagen sitzen.
    Stumm nickend löst sie das Papier und holt ein dunkelblaues Halstuch mit barockem, goldfarbenem Muster aus der Schachtel. Sie stößt ein weinendes Lachen aus.
    „Ich liebe diese Halstücher“, sagt sie und küsst den Stoff. „Er wusste das.“ Kurzerhand bindet sie es sich um und schaut in den Rückspiegel. „Steht dir wirklich gut“, sagt Roger aufmunternd.
    Sie haben Nashville lange hinter sich gelassen, als Laura den Koffer schließlich auf die Rückbank legt.
    „Danke“, murmelt sie.
    „Nicht jeder bekommt die Gelegenheit, sich zu verabschieden.“
    Sie blickt aus dem Fenster. „Die Sonne geht bereits unter. Wenn du müde wirst, kann ich dich ablösen.“
    „Ich würde ungern nachts fahren“, meint Roger. „Das sieht nach einem Unwetter aus.“ Er deutet auf den Horizont. „Wir müssten die Scheinwerfer anmachen, das ist meilenweit zu sehen.“
    „Ich schlafe auf der Rückbank“, meint sie und blickt ihn schelmisch an. „Meinst du, da ist Platz für zwei?“
    „Auf keinen Fall.“
    Roger zieht seine Lippen zu einem Schmollmund zusammen. „Du liebst mich nicht.“
    Laura rollt mit den Augen. „Männer. Immer die gleiche Leier. Wie wäre es mit etwas mehr Fantasie und Gefühl?“
    „Zu anstrengend“, antwortet Roger mit einem breiten Grinsen. Laura boxt ihm scherzhaft gegen den Oberarm.
    Heftiger Regen setzt ein und verschlechtert die Sicht. Plötzlich tritt Roger auf die Bremse.
    „Mist“, schimpft er. „Da vorne mussten wir rechts abbiegen.“
    Er fährt zurück und biegt in die Straße. Die verwüstete Gegend ist nach den Tornados fast menschenleer. Von Zeit zu Zeit begegnen ihnen Familien, die sich mit ihren letzten Habseligkeiten auf dem Weg in die verbliebenen Städte gemacht haben. Selten sind die Häuser bewohnt, an denen sie vorbeifahren.
    „Machen wir eine Pause“, schlägt Laura vor.
    „Gleich. Die Gegend ist mir zu unübersichtlich.“ Zur Verdeutlichung zeigt er auf die dichten Büsche und Baumstümpfe zu beiden Seiten.
    Nach einer Viertelstunde erreichen sie eine Anhöhe mit einer Parkbucht hinter einer Mauer mit der Aufschrift Ridgevills.
    „Das sollte genügen“, sagt Roger und parkt den Wagen neben der Mauer. Müde reibt er sich die Augen und gähnt.
    Laura beugt sich nach hinten und holt ein paar Sandwiches aus ihrer Verpflegungskiste, während Roger die Innenbeleuchtung anmacht.
    „Du hast bestimmt Hunger“, sagt sie und reicht ihm ein Päckchen. Dann greift sie nach ihrer Jacke und will die Tür öffnen. „Ich bin mal eben für …“ „Doch nicht bei dem Wetter?“, fragt Roger entsetzt.
    „Wann denn sonst?“ Sie schaut ihn stirnrunzelnd an. Als er nichts erwidert, steigt sie aus.
    Kalter, nasser Wind weht ins Innere des Wagens, bevor Laura die Tür wieder zuschmeißt. Besorgt schaut er ihr hinterher, aber nach wenigen Sekunden verschwimmen ihre Konturen im Dämmerlicht. Soll er ihr folgen? Quatsch, denkt er. Schließlich ist sie erwachsen. Er würde wie ein Spanner aussehen. Trotzdem wird er ungeduldig. Warum muss das bei den Frauen immer so lange dauern?
    Plötzlich geht hinter ihm die Wagentür auf und Laura schlüpft hinein. „Was …“, will Roger protestieren, doch Laura unterbricht ihn sofort.
    „Schau nach vorne!“, flüstert sie eindringlich. „Da liegen zwei Jungs auf der Lauer. Direkt am Ende der Mauer. Es sind noch Kinder, aber bewaffnet. Sie sind direkt an mir ...
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  • Quellen
    • Umschlaggestaltung : Hauke Schrills ; Igor Link
    • Lektorat : Rohlmann & Engels
    • Korrektorat : Mirjam Samira Volgmann
    • Cover-Bild :
    • Igor Link
    • Umschlaggestaltung : >Hauke Schrills
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RP Online 7. Feb 2020
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