Riftland Saga

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R.I.F.T.

  • R.I.F.T.

    dystopischer Roman

    Umgeben von überfluteten Straßen, entwurzelten Bäumen und zerfallenen Häusern, wacht GS ohne Erinnerung in einem fremden Land auf. Bis auf den zwölfjährigen Ben scheinen alle Menschen verschwunden. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach Überlebenden und einem Weg zurück in die weit entfernte Heimat von GS. Während ihrer Reise erkennen sie, dass die Welt, wie sie sie kannten, nicht mehr existiert. Ruinen der Zivilisation, endlose Wasserflächen und apokalyptische Mondlandschaften begleiten sie.

    328 Seiten

    Paperback oder E-Book:
    ISBN: 978-3-749-48674-8
    Hardcover:
    ISBAN: 978-3-7460-4841-3

  • Leseprobe

    Hauke Schrills

    Riftindd

    dystopischer Roman

     

    Handlungen und Figuren entspringen der Phantasie. Darum sind eventuelle Übereinstimmungen mit lebenden oder verstorbenen Personen zufällig und nicht beabsichtigt
     

      Copyright & Impressum

    Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt.

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    Detailliertes Quellenverzeichnis der Bilder und Zeichunngen unter www.haukeschrills. de

    Originalausgabe 1. Auflage 2019

    ®   2019  Hauke Schrills

    Herstellung und  Verlag:

    BoD - Books on Demand, Norderstedt

    Autor:

    Hauke Schrills

    Email: info@haukeschrills. de www.haukeschrills. de

    Umschlaggestaltung: Volker  Schrills Lektorat: Rohlmann & Engels

    ISBN  :  978-3-749-48674-8

     

    Inhalt

     Ben....................................................................................... 1

    Die Fahrt............................................................................. 21

    Kindergarten....................................................................... 29

    Unterkunft.......................................................................... 47

    Entdeckungen..................................................................... 59

    Das Boot............................................................................. 65

    Arbeit................................................................................. 71

    Technik............................................................................... 81

    Flucht................................................................................. 87

    Auf See............................................................................... 95

    Norden............................................................................. 105

    Sichtung............................................................................ 113

    Stählerne Riesen................................................................ 123

    Strömung.......................................................................... 129

    Abgeschirmt...................................................................... 133

    Entscheidung..................................................................... 139

    Blockade........................................................................... 147

    an Land............................................................................. 155

    auf der Straße.................................................................... 163

    Carlos................................................................................ 175

    Ablenkung......................................................................... 189

    Verrat............................................................................... 197

    Gesetz............................................................................... 207

    Joe.................................................................................... 215

    Fragen und Antworten....................................................... 231

    Anklage............................................................................. 237

    zweiter Tag........................................................................ 247

    Searcy............................................................................... 249

    Jacksonville....................................................................... 253

    Sauerstoff.......................................................................... 259

    Tulsa Tech......................................................................... 265

    Ablöse.............................................................................. 283

    neue Nachrichten.............................................................. 289

    Aufstand........................................................................... 293

    Verlängerung..................................................................... 299

    Neue Ziele......................................................................... 301

    Blimp............................................................................... 309

    Der letzte Zug.................................................................... 323

    nach dem Regen................................................................. 331

    Blau und Gelb.................................................................... 345

    Drumright......................................................................... 369

    Grenzen............................................................................ 395

    Rückkehr........................................................................... 413

    Epilog............................................................................... 419

     

    2 7.  März

    Ben

    Kopfschmerzen. Stechen im Bein. Alles tut mir weh. Müdigkeit. Ich versuche, die Augen zu öffnen. Grelles Licht

    blendet mich. Was ist passiert? Ich liege am Straßenrand. Um mich herum Steine und Bretter.

    Wo bin ich? Meine Augen gewöhnen sich nur langsam an das Licht. Ich will mich aufrichten. Ein stechender Schmerz fährt mir ins Bein. Mein rechtes Hosenbein ist aufgerissen und mit Blut getränkt. Es ist nur eine kleine Wunde am Schienbein. Mein Knöchel schmerzt. Scheint nicht gebrochen zu sein. Zumindest kann ich ihn bewegen. Meine Kleidung fühlt sich klamm an. Verschmutzt.

    Mühsam richte ich mich auf. Mein Kreuz schmerzt ebenfalls. Aber das kenne ich schon. Mit fünfundfünfzig ist Mann nicht mehr so gelenkig. Überall um mich herrscht Zerstörung. Ich bemerke Wasserflächen. Gab es eine Überschwemmung? Neben mir zusammengefallene Häuser. Ich habe Glück, nicht erschlagen worden zu sein.

    Wo bin ich? Ich will mich erinnern. Vergeblich. Mir fällt es nicht ein, habe ein Blackout. Ich konzentriere mich erneut. Doch es ist zwecklos. Die letzte Erinnerung ist ein heftiges Zerren. Da- rauf folgt Schwärze, Bewusstlosigkeit. Ich weiß nicht, wie lange ich hier schon liege. Die schmutzige Kleidung wird durch Abklopfen nicht besser. Ich drehe mich humpelnd um die eigene Achse.

     

    Überall sind Häuser zusammengefallen. Zwei Fahrzeuge liegen verbeult auf der Seite. Und, sind das Kabel über den Häusern? Hochspannungsleitungen? Ich sehe sie nur verschwommen. Irgendetwas stimmt mit meinen Augen nicht. Ich reibe mit den Fingern darüber. Eine Erinnerung blitzt in meinem Kopf auf. Ich bin Brillenträger. Schaue mich um – finde nichts, das wie eine Brille aussieht. Immerhin kann ich ohne sie einigermaßen sehen, nur Details verschwimmen. Schriften ebenfalls.

    Benommen spüre ich die Wärme der Sonne, obwohl sie niedrig am Himmel steht. Fast wie im Urlaub im Süden. Urlaub? Wo komme ich her? Aus Deutschland? Wo bin ich jetzt? Auf keinen Fall in Deutschland. Da bin ich mir sicher. Die Pflanzen und Bäume sehen fremd aus.

    Im Schatten eines zusammengefallenen Gebäudes bemerke ich eine Bewegung. Ich fokussiere meinen Blick. Auf einer Treppe neben einem zerfallenen Haus sitzt ein verängstigter Junge mit dunkler Hautfarbe. Seine Hose und sein T-Shirt sehen nicht besser aus als meine Kleidung. Ich schätze ihn auf 12 Jahre. Er blickt mich mit großen Augen an, weiß wohl nicht, was er von mir halten soll.

    Ich gehe einen Schritt auf ihn zu, da meldet sich mein Fuß. Fast wäre ich gestolpert. Mit schmerzverzerrtem Gesicht schaue ich zu dem Jungen.

    „Wie geht es dir? Bist du okay?“, rufe ich ihm zu. Sein Gesicht drückt Unverständnis aus.

    „uodajutokin?“, ruft er zurück.

    Ich kann mit der Antwort nichts anfangen.  Welche  Sprache spricht er? Langsam wiederhole ich die Worte im Geiste.

     

    „uodajutokin“ - es dämmert mir. „what are you talking“, das ist Englisch, genauer amerikanisches Englisch. Ich bin in Amerika. Darum kann er mich nicht verstehen.

    „Are you fine?“, frage ich auf Englisch.

    Sein Gesicht hellt sich auf. „I‘m fine, and you?“

    Humpelnd bewege ich mich auf ihn zu. Ich winke ab. Er richtet sich schüchtern lächelnd auf. Anscheinend ist er unverletzt.

    „Du bist verletzt“, stellt er fest.

    „Nicht sehr, es geht.“ Mein Englisch ist nur mangelhaft. Für grundlegende Konversation reicht es. Meistens fehlen mir die Vokabeln. Verstehen geht wesentlich besser.

    Er runzelt die Stirn. Meine Antwort war wohl nicht perfekt.

    „Where are you from?“, will er wissen.

    „Ich komme aus Deutschland.“ Pause.

    „Wie heißt du?“, frage ich ihn.

    „Ben. Und du?“

    Ich erinnere mich an meinem Namen und daran, dass er für Amerikaner unaussprechlich ist.

    „Nenn mich GS, mein Name ist zu kompliziert.“ Ich fand diese Abkürzungen in alten Filmen schon immer cool. AJ, JR. Warum nicht.

    „Nur GS? Gut“, antwortet er.

    Der Junge sieht mitgenommen aus. Sein kurzes, schwarzes Haar ist von hellem Staub bedeckt. Ebenso das Gesicht und die Augenbrauen. Das rote T-Shirt ist an der Schulter aufgerissen.

    „Was ist mit deinen Eltern?“, frag ich ihn.

    „Ich weiß nicht, weg.“

    „Lebst du hier? Hast du hier gewohnt?“

    Er nickt und zeigt auf das Haus, auf dessen Treppe er sitzt. Sie führt an der rechten Außenseite des Hauses ins Nichts. Von der oberen Etage stehen nur noch eine Giebelwand und ein Teil einer Seitenwand. Man kann hineinschauen. Wenn sich dort einmal Möbel befunden haben, ist von ihnen nichts übrig geblieben. Der Schock sitzt Ben sichtlich in den Knochen.

    „Weißt du, was passiert ist?“ Er schüttelt den Kopf.

    „Gibt es hier – äh …“ Ich suche nach dem englischen Wort für Überlebende. „Andere Menschen. Lebende Menschen?“

    „Etwas hat an mir gezerrt, mich geschlagen. Dann bin ich  neben der Treppe aufgewacht. Keine Ahnung, was los war.“

    Nirgends sind Leichen zu sehen. Aber auch keine Überleben- den. Neben uns steht ein graugrünes Haus. Windschief, als wenn ein Riese es in die Hand genommen, es einmal kräftig geschüttelt und zu Boden geworfen hätte. Die gesamte Einrichtung quillt aus der Frontseite.

    Rechts von uns liegt quer über der  Straße  ein  entwurzelter Baum. Ein Rauschen lenkt mich ab. Vor uns ist der Asphalt weggerutscht. Wasser aus einem gebrochenen, unterirdischen Rohr spült die Erde immer weiter aus. Dahinter ist alles über- schwemmt. Entlang der Straße jenseits der Bruchkante steht das Wasser fast einen Meter in den Häusern. Auf der rechten Seite führt eine weitere Straße nach – Süden – Westen – Osten? Ich habe gar keine Orientierung mehr. Ich schaue auf meine Uhr. Es ist noch früh. Die Sonne steht über meiner rechten Schulter, wenn ich in die Richtung der Straße schaue. Demnach ist dort Norden.

    Die Straße ist unbeschädigt. In einer großen Pfütze liegt ein umgefallener Strommast mit gerissenen Kabeln. Weitere folgen der Straße, neigen sich aber weniger zum Boden. Elektrizität wird durch diese Leitungen nicht mehr fließen. Im weiteren Verlauf sehe ich links einige Palmen, rechts Gras und niedriges Gestrüpp. Es geht leicht bergauf. Dahinter ist nichts zu erken- nen. Gerade so, als würde die Welt dort enden.

    „Weißt du, wohin diese Straße führt?“, frage ich Ben.

    Er zuckt mit den Schultern. „Zum Highway.“ Er schaut in die Richtung. „Normalerweise stehen da Häuser. Aber die sind weg.“ Er atmet tief ein. „Alles ist weg.“

    Ich blicke zu ihm und verstehe nicht, was er damit meint.

    „Alles weg“, wiederholt er und fängt an zu weinen. Er ist verzweifelt. Ich möchte ihn trösten, doch er weicht zurück und richtet sich auf. „It’s okay.“ Er wischt sich die Tränen aus dem Gesicht und verwischt den Staub.

    „Hast du eine Idee, wohin wir gehen können?“

    Er schüttelt den Kopf. „Vielleicht dort.“ Er zeigt in Richtung des umgestürzten Baumes.

    Ich drehe mich um. Was machen wir jetzt? Wahrscheinlich müssen wir hier erst einmal übernachten. Längere Zeit bleiben und warten ergibt jedoch keinen Sinn. Mir fällt immer noch nicht ein, wie ich hierhin gekommen bin. Und wo ich genau bin.

    „Warte hier!“, sage ich zu Ben und suche nach etwas, worauf ich mich abstützen kann. Eine Dachlatte liegt in der Nähe. Ich hebe sie hoch, lege sie auf die Treppe, stütze mich ab und breche sie mit dem gesunden Fuß durch. Das muss als Krücke reichen. Ben schaut schweigend zu. „Warte hier!“, wiederhole ich.

    Er nickt. Wo soll er auch hin? Hier ist nichts und niemand. In sicherem Abstand zur Bruchkante gehe ich zur anderen

    Straßenseite, die unter Wasser steht. Die Häuser auf dieser Seite haben zumindest noch Wände und ein Dach. Ich begebe mich in Richtung des umgestürzten Baumes. Hier sieht es aus, wie nach einem Hurrikan.

    Als ich näher komme, erkenne ich, dass dort ein Auto unter der Baumkrone begraben liegt. Ich gehe darauf zu. Es ist   ein schwarzer Chevrolet Pick-up. Das Dach ist über der hinteren Rückbank eingedrückt und das Glas der Seitenfenster zerbrochen. Die Windschutzscheibe ist unversehrt. Die Fahrertür steht auf. Aber dort komme ich nicht heran. Ein sperriger Ast liegt im Weg. Ich biege auf der Beifahrerseite einige Äste des Baumes zur Seite und kann in den Innenraum sehen. Bis auf die Glassplitter, Blätter und Äste, die überall im Innenraum verteilt liegen, scheint alles in Ordnung zu sein. Ohne Brille kann ich keine Details erkennen. Der Schlüssel fehlt offensichtlich. Die Ladefläche ist leer. Ich blicke nach hinten. Durch das Dickicht der Blätter kann ich von der Umgebung jenseits des Baumes  kaum etwas sehen.

    Ich gehe wieder zu dem Haus zurück, wo Ben auf mich wartet.

    „Wir brauchen Schatten und müssen irgendwo unterkommen“, sage ich.

    Er nickt. Die umstehenden Häuser sind nicht zu gebrauchen.

    Zu gefährlich. Die Gebäude im Wasser ebenfalls nicht.

    „Hast du eine Idee, wo wir über Nacht bleiben können?“, frage ich Ben.

    Er versteht mein gebrochenes Englisch und zeigt wortlos in

    Richtung des umgestürzten Baumes.

    „Hinter dem Baum“, ist seine Antwort.

    „Kommst du mit?“, fordere ich ihn auf.

    Er steht auf und kommt zu mir. Gemeinsam gehen wir um den umgestürzten Baum herum. Ich benutze dabei meine provisorische Krücke. Wir waten durch das seichte Wasser. Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel.

    Bei der Hitze werden die Schuhe wieder schnell trocknen, denke ich mir. Die Straße führt uns nur wenige Meter weiter. Da- hinter reicht ein Meer bis zum Horizont.

    Ben bleibt wie angewurzelt stehen und starrt auf das Wasser. Er fängt an zu zittern und stammelt etwas, während er auf das Meer zeigt. Ich verstehe ihn nicht, also knie ich mich vor ihm nieder.

    „Komm. Wir sind hier sicher“, beruhige ich ihn und zeige auf ein Haus in der Nähe. Es ist weniger beschädigt und aus Stein gemauert. Die Fenster und das Dach fehlen. Wir treten näher he- ran. Innen ist der ganze Boden hoch mit Sand bedeckt.

    „Das wird gehen“, sage ich zu dem Jungen.

    Er wirkt noch immer recht apathisch, folgt mir aber. Wir betreten das Haus und sehen uns um. Ich erkenne keine Risse in den Wänden – wie auch, ohne Brille.

    Von der Decke sind nur die Querbalken übrig. Wir gehen wie- der vor die Tür.

    „Sieht stabil aus. Was meinst du?“ Er nickt.

    „Hier können wir äh … bleiben.“ Ich wollte „vorübergehend“

    sagen, aber mir fiel das englische Wort nicht ein.

    Er antwortet nur mit „okay“.

    Ben ist zwar immer noch sehr wortkarg, hat sich aber ein wenig beruhigt. Er ist vermutlich erleichtert, weil jemand für ihn die Initiative ergreift.

    Ich setze mich auf einen Stein, der vor dem Eingang aus dem Sand herausragt, und überlege, was wir alles benötigen. Am wichtigsten sind Wasser, Lebensmittel, Decken, Feuer und Werkzeug. Ich schaue von mir zu Ben. Kleidung wäre nicht schlecht. Wir sehen beide ziemlich heruntergekommen aus. Ein Bad könnten wir auch gebrauchen. Aber das wäre schon Luxus. Ich begutachte mein Bein. Die Wunde ist verkrustet, das Fußgelenk geschwollen, dennoch kann ich den Fuß mittlerweile besser belasten.

    „Als Erstes müssen wir Wasser besorgen“, sage ich. „Am besten in Flaschen. Vielleicht ist drüben in den Häusern etwas zu finden“, und zeige in Richtung des Baumes.

    Er schaut mich nur an.

    „Kannst du überall nachschauen?“

    „Wo?“, fragt er zurück.

    „Überall. Vielleicht findest du etwas in den Küchen. Aber sei

    bitte vorsichtig bei den zusammengefallenen Häusern.“

    „Sicher“, sagt er.

    „Wenn du Lebensmittel findest, wäre das auch gut. Ich suche

    nach Werkzeug und anderen brauchbaren Gegenständen.“

    Ich richte mich auf und gehe zu dem umgestürzten Baum zu- rück. Das Ende der Baumkrone liegt im Wasser. Dort befindet sich der Eingang zum Ersten der gefluteten Häuser. Sie sind in der typischen amerikanischen Leichtbauweise errichtet worden. Mit nassen Schuhen gehe ich weiter. Das Wasser reicht mir bis

    zu den Knien. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Hauses. Gegenüber sind die Reste einer Garage zu erkennen. Langsam wate ich durch den Eingang, die Tür existiert nicht mehr. Links führt eine Treppe nach oben, rechts ist eine Garderobe. Überall schwimmt Müll, Holz und Plastik. Ich gehe einige Schritte weiter und gelange in einen großen Raum. Das Wohn- zimmer? An der gegenüberliegenden Wand fehlen drei raumhohe Fenster. Ich blicke direkt in das, was einmal der Garten war. Der Pool ist für mich nur schemenhaft zu sehen.

    Ich wende mich nach links. Dort führt eine Diele weiter in ein Schlafzimmer? Spielzeuge stehen auf den Regalen. Nein. Das ist das Kinderzimmer. Ich scheue zurück, habe Angst vor dem, was ich dort finden werde. Ich schaue nicht nach, sondern wende mich um. Gegenüber befindet sich ein weiteres Zimmer. Das ist das Eltern-Schlafzimmer.

    Ich betrete den Raum, drehe mich im Kreis und sehe eine weitere Tür. Mühsam zerre ich sie auf. Dahinter liegt das Bad. Bis auf das eingedrungene Wasser sieht hier alles normal aus. Ich öffne den Spiegelschrank an der Wand und finde Medikamente, Pflaster, Deodorant, verschiedene Cremes, Seife und Zahnpasta. Ich kann die Schrift auf den Packungen nicht lesen. Eine Brille wäre jetzt nicht schlecht. Vielleicht finde ich irgendwo eine.

    Eine große Plastikwanne liegt kopfüber im Wasser. Ich drehe sie um und lasse sie schwimmen. Dann fülle ich sie mit allem Brauchbaren. Anschließend verlasse ich den Raum. Im Schlaf- zimmer schaue ich mich noch einmal um. Im Kleiderschrank sind nur Frauenkleider. Nichts für uns. Ich versuche, eine Decke aus dem Wasser zu ziehen, lasse jedoch davon ab, da die Gefahr

    besteht, die eingesammelten Sachen in der Wanne zu verlieren.

    Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer überlege ich, was wir noch für unser Nachtlager benötigen. Ich mache einen Abstecher in die Küche. Die nassen Fundstücke müssen wir später trocken bekommen.

    Die Hängeschränke sind teilweise von der Wand gefallen und liegen verstreut auf den darunter stehenden  Schränken. Ich suche weiter. Verschiedene Dosen und Verpackungen mit Lebensmittel. Ich kann nicht alles mitnehmen und beschließe, später zurückzukehren. Den großen Kühlschrank versuche ich erst gar nicht zu öffnen. Wenn er etwas Essbares enthält, würde das Meiste durch das einfließende Wasser unbrauchbar werden. Ich durchsuche die anderen Schränke und finde Messer, Gabeln, Löffel, Öffner und stecke einiges davon ein. Ein großes Survival- Messer könnte hilfreich sein. Langsam bewege ich mich auf den Ausgang zu und verlasse das Haus. Im Wasser ist die schwimmende Schüssel leichter.

    Auf dem Trockenen macht sich mein Fuß wieder bemerkbar. Ich bringe meine Beute in unsere Unterkunft. Ben ist noch nicht zurück. Ich will nach ihm schauen und stehe wieder vor dem umgestürzten Baum. Ich suche nach einer Möglichkeit ihn auf einem anderen Weg zu umgehen, um nicht wieder nasse Füße zubekommen. Vergeblich. Der Baum wird zu einem Punkt auf meiner imaginären Todo-Liste.

    Ich finde verschiedene Gegenstände, Gallonen, Flaschen vor den einzelnen Häusern. Ben war offenbar erfolgreich bei seiner Suche. Da sehe ich, wie er mit einer Decke im Arm aus einem der baufälligen Häuser klettert.

    „Stopp!“, rufe ich entsetzt und laufe ihm wild gestikulieren entgegen.

    Erstaunt sieht er auf.

    „Bist du verrückt, allein in diese Häuser zu gehen?“, blaffe ich

    ihn heftiger an als beabsichtigt und bereue es sogleich.

    „Aber-“, stammelt er.

    „Du hättest begraben werden können!“, unterbreche ich ihn. Er blickt schuldbewusst auf den Boden.

    „Das ist gefährlich. Ich will nicht, dass dir etwas passiert.“ Ich schaue mir seine Ausbeute genauer an. „Wow. Toll, großartig“.

    Er lächelt verlegen.

    „Du bist der Beste!“, muntere ich ihn auf und lege ihm eine Hand auf die Schulter. Sein schüchternes Lächeln entblößt seine weißen Zähne. Bei diesem unschuldigen Anblick muss auch ich lächeln.

    „Das muss jetzt alles rüber“ bemerke ich nachdenklich. „Aber nur das, was nicht nass werden darf“.

    Hier ist schließlich niemand, der uns etwas wegnimmt, denke ich bei mir. Wir packen einige Sachen auf die große Decke und ziehen sie durch einen breiten Spalt unter dem Baum hin- durch. Anschließend verstauen wir die Sachen im Haus. Nach der vierten Runde haben wir es geschafft.

    Die ganze Arbeit wäre aber sinnlos, wenn wir die Sachen nicht trocken lagern können. Das Dach fehlt, also kann es jeder- zeit hereinregnen. Die Balken sind zu hoch, um etwas darüber zu legen.

    Zuerst suche ich den höchsten Punkt im Raum. Der Sand ist in einer Ecke höher aufgeweht und lässt sich mit Hilfe von Brettern

  • F.A.Q.

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  • Quellen

    • Umschlaggestaltung : Volker Schrills
    • Lektorat : Rohlmann & Engels
    • Vorlage Bilder:
    • Arek Socha auf Pixabay
    • Nelson Gonçalves auf Pixabay
    • Stefan Werner auf Pixabay

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